Die Rosskastanie
Arzneipflanze des Jahres 2008
Der Würzburger Studienkreis
Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde hat die Roßkastanie (Aesculus
hippocastanum) zur Arzneipflanze des Jahres 2008 gekürt
http://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/rosskastan/
Roßkastanie,
Gemeine Roßkastanie, Aesculus
hippocastanum:
ein bis 20 m hoher
Baum
aus
der Familie der R.ngewächse (Hippocastanaceae).
Die R. besitzt langgestielte zusammengesetzte Blätter. Die Teilblättchen (meist 7) sind verkehrt-eiförmig, auf der Oberseite schwach glänzend, dunkelgrün und auf der Unterseite hellgrün. Sie besitzen einen grob gesägten Blattrand. Aus den großen, harzigen Knospen bilden sich aufrechte rispige, pyramidenförmige Blütenstände. Die weißen Blüten besitzen gelbe oder rote Flecke. Die Frucht ist eine ein- bis dreifächerige, grobstachelige Kapsel. Die Samen sind glänzend rotbraun und besitzen einen weiblichen Nabeifleck. Die Samen der Roten R. (Aesculus camea, ein Bastard aus der R. und Aesculus pavia) werden ebenfalls zur Drogengewinnung verwendet.
Blütezeit: Mai, Juni.
Vorkommen: die R. ist heimisch in den feuchten Schluchten der Balkangebirge, des Kaukasus, des Himalajas und im Norden des Irans. Sie wird vielfach wie die Rote R. als Zier- und Straßenbaum angepflanzt. Aesculus pavia ist in Nordamerika heimisch.
Drogengewinnung: die Samen werden im September und Oktober gesammelt. Sie werden zerkleinert und umgehend bei Temperaturen bis 60 °C getrocknet, um eine Schimmelbildung zu vermeiden.
Drogenbeschreibung: die Droge (R.nsamen, Semen Hippocastani, Hippocastani semen) besteht aus den ungeschälten, reifen getrockneten Samen. Sie sind halbkugelig bis rundlich, teils nierenförmig. Die lederige Samenschale ist mit Ausnahme des weißlichen scheibehförmigen Nabels glänzend rotbraun und von weilenförmigen dunkleren Zonen durchzogen. Der Einbryo ist groß und gekrümmt, die Keimblätter sind dick und fleischig. Die grob zerkleinerte Droge ist gekennzeichnet durch die braune harte Samenschale mit dem heilen Nabel und die hornartigen weiblichen oder gelblichen Keimblattstücke. Die Droge ist geruchlos und schmeckt anfangs mehlig süßiich, dann stark bitter und kratzend.
Inhaltsstoffe: die R.nsamen enthalten ein Gemisch von Saponinen, dessen kristalliner Anteil als Aescin bezeichnet wird. Ferner sind Flavonoide und Gerbstoffe vorhanden.
Wirkung und Verwendung: das Aescin der R.nsamen wirkt schwach krampflösend, entzündungshemmend und gegen Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödeme). Auch ein Einfluß auf den Blutkreislauf und die Blutgefäße, besonders auf die Venen, ist vorhanden, Neben Extrakten aus R.nsamen werden auch standardisierte Aescinpräparate industriell hergestellt. Sie finden Anwendung bei Hämorrhoiden, Krampfadern, bestimmten Formen von Durchblutungsstörungen, Flüssigkeitsansämmlungen in Geweben, Frostschäden, Blutergüssen und Venenentzündungen. Aus der Droge wird kein Tee bereitet. Die frischen geschälten Samen dienen zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel, die unter anderem zur Behandlung von Hämorrhoiden und Blutstauungen in den Venen benutzt werden.
Nebenwirkungen: bei empfindlichen Personen können Magenbeschwerden auftreten, die nach Absetzen des Präparates verschwinden. Der Verzehr der Samen durch Kinder kann, bedingt durch den Saponingehalt, zu Vergiftungen führen.
Geschichtliches: die erste Beschreibung der R. lieferte der in Prag tätige kaiserliche Leibarzt Peter Andreas Mattioli in seinem Kräuterbuch um 1557. Im Jahr 1575 kam sie dann durch Clusius als Zierbaum nach Wien und verbreitete sich von dort aus nach und nach über weitere Länder Europas. Für Berlin wurde sie erstmals 1672 erwähnt. In früherer Zeit wurde die im März gesammelte Rinde als Abkochung bei Ruhr und Durchfällen benutzt. Seit einigen Jahrzehnten dienen die Samen als Rohstoff zur Gewinnung von Extrakten und Äscin.