| Editorial 2/98 »Zeitschrift für Phytotherapie« oder»Journal of Phytotherapy« Vor einiger Zeit fragte mich ein junger Kollege, warum wir nicht unsere Zeitschrift in »Journal of Phytotherapy« umtauften. Zitat. »Sie bekäme dann doch einen modemen Touch und läge so im Trend vieler deutscher naturwissenschaftlicher und medizinischer Zeitschriften. Erinnert sei an die Zeitschrift für Naturforschung, die zum Journal of Biosciences geworden ist.« Wenige Tage später erhielt ich von einer süddeutschen Universität eine in Englisch geschriebene Einladung zu einem Vortrag (den sollte ich allerdings in Deutsch halten!). Beide Ereignisse haben mich zwar nicht beunruhigt, aber doch zum Nachdenken über »unser Sprachenproblem« angeregt. »Unser« bezieht sich nicht auf die vielen Anglizismen oder Amerikanismen, die uns im täglichen Leben von morgens bis abends begegnen und die wir ja alle selbst benutzen. Ich bin kein sprachlicher Purist. Jede gesprochene Sprache ist ein lebendiger Organismus und wird von vielen Quellen gespeist, deren wir uns gar nicht immer bewußt sind. Wer denkt daran, daß Zucker, Alkohol, Kaffee und Artischocke aus dem Arabischen, daß Tomate, Schokolade, Mais und Tabak aus südamerikanischen Sprachen stammen? Estragon, Sellerie und Chicorée haben wir uns aus Frankreich ausgeborgt, Bambus und Orange aus dem Indischen, Tee aus dem Land der Mitte. Nein, ich meine etwas anderes. Ich störe mich an der oft unnötigen Nutzung des Englischen. Natürlich akzeptiere ich Englisch als Lingua franca. Ohne Englisch ist auf dem intemationalen wissenschaftlichen Parkett eine Verständigung nicht möglich. Nur muß man andererseits bedenken, daß eine Sprache nicht nur für ihren spezifischen Kulturkreis charakteristisch, sondem auch dessen Grundlage ist. Daher sollten wir, wo immer es möglich ist und ohne gleich des Nationalismus bezichtigt zu werden, auch im Wissenschaftsbereich deutsch schreiben und sprechen. Es ist meines Erachtens eine Art Pseudointemationalismus, wenn wir englische Berichte für Gremien verfassen, deren Mitglieder aus dem deutschen Sprachraum stammen. Und weichen Sinn macht es, bei internationalen Tagungen in Deutschland Englisch als einzige Tagungssprache zuzulassen? Da lobe ich mir ein polnisches Beispiel: Bei dem Symposium in Posen imSeptember 1997 anläßlich des 50. Geburtstages des international bekannten Instituts für Heilpflanzenforschung wurde offiziell polnisch, deutsch und englisch mit entsprechenden Simultanübersetzungen referiert. Das ist für mich ein positives Zeichen für ein eigenständiges polyglottes Europa! Und so wird - um die Anfangsfrage zu beantworten - auch in Zukunft die »Zeitschrift für Phytotherapie« erhalten bleiben, in der durchaus gelegentlich Artikel in Englisch publiziert werden. Zu allen Aufsätzen gehören jedoch immer eine durch einen »Native Speaker« stilistisch überprüfte »Summary« zusammen mit »Key words«, die in der derzeitigen Lingua franca Daten und Ergebnisse der wissenschaftlichen, nicht deutsch verstehenden Welt vermeiden.
F.-C. Czygan |