| Editorial 1/00Arnika Masuren Günter
Willuhn
Wir Ostpreußen seien wir deutscher, polnischer,
kaschubischer oder russischer Herkunft halten es mit dem alten Hamilkar Schaß, der
masurischen Kultfigur in Siegfried Lenz Schelmenroman »So zärtlich war Suleyken«.
Selbst als die Gefahr in Gestalt des Angst und Schrecken verbreitenden Generals Wawrila
und seiner Bande das tat, was sie besonders unangenehm macht, nämlich sich zu nähern,
las Hamilkar Schaß aus Gründen der Bildung, unbeeindruckt und voller Neugier den
»Masurischen Heimatkalender« zu Ende. So sind wir nun einmal, mein Freund Günter
Willuhn, Professor emeritus an der Düsseldorfer Heinrich-Heine- Das galt auch für den jungen Blumenfreund Willuhn und für die
auf den Wiesen Gumbinnens nicht vorkommende Arnika. Und so hat er sich ihrer erst später
mit besonderem Interesse angenommen, als er in Westdeutschland sein wissenschaftliches
Domizil aufschlug. Jetzt kamen ihm neben seiner ausgeprägten Neugierde weitere, von
seiner Ehefrau und von nicht-ostpreußischen Freunden nicht immer geschätzte
Eigenschaften zugute: seine Daher widmeten ihm zu Ehren als Abschluss seiner aktiven Hochschullehrerlaufbahn Mitarbeiter, Kollegen und Freunde ein Symposium, das den derzeitigen Status quo der Arnika-Forschung zum Thema hatte. Die einzelnen Aspekte dieser Veranstaltung machten modellhaft deutlich, dass eine Arzneipflanze von vielen Seiten betrachtet werden kann. Für mich war es ein faszinierendes Erlebnis, als ich als Kind ein Kaleidoskop geschenkt bekam. Das unerwartet Geheimnisvolle, das beim Drehen dieses Spielzeugs erscheint, lässt sich auch auf die Pflanze Arnika mit ihrer facettenreichen natur- und kulturwissenschaftlichen Geschichte übertragen. An der Lösung vieler Arnika-Probleme und an der Beantwortung
vieler Arnika-Fragen haben Günter Willuhn und die Düsseldorfer Pharmazeutische Biologie
wesentlichen Anteil. Das zeigt der von den Autoren J. von Raison, J. Heilmann, I. Merfort,
T. J. Schmidt, F. E. Brock, W. Leven, U. Bomme und R. Bauer in dankenswerter Weise
zusammengestellte Bericht in diesem Heft. PS: Auch von den Poeten ist Arnica montana nicht vergessen worden. In seinem 1922 gedruckten Kinderbuch »Alpenblumenmärchen« widmet der Schweizer Maler und Dichter Ernst Kreidolf (18631956) unserer Heilpflanze vier Verse. Wenn er auch auf die heute obsolete orale Nutzung der Tinctura Arnicae hinweist, wird doch die besondere Bedeutung dieser Arzneipflanze in wenigen lyrischen Zeilen betont. Arnika Ruhiger sinken zum Schlummer sie nieder. |