Toxizität und Verunreinigungen asiatischer 
pflanzlicher Produkte

(Quelle: E. Ernst in Side Effects of Drugs Annual 26 (J.K. Aronson, Ed.) Elsevier
2003, S. 528ff; ISBN 0 444 50999 2)

Eine nach einem Rezept aus Bangladesh hergestellte Paste zur Behandlung von Ekzemen
verursachte bei einem 8-jährigen Jungen zu Erregung, häufigem Erbrechen und konnte
schließlich nur schwer geweckt werden. Die Paste bestand aus einer Mischung von gemah-
lenen Tabakblättern, Limonen und lyophilisiertem Kaffee. Durch Blut- und Urinanalysen
wurde eine Nicotinvergiftung nachgewiesen. Der Junge erholte sich innerhalb von 2 Tagen
vollständig.

Die Analyse von 54 Proben asiatischer pflanzlicher Produkte, die in Vietnam, Hong Kong,
Florida, New York und New Jersey gekauft worden waren auf Kontamination mit Schwer-
metallen führte zum Nachweis von Arsen, Blei und Quecksilber deren Konzentrationen
in 74% der Fälle über denen der publizierten Richtlinien lagen und in 49% der Fälle toxi-
sche Werte erreichten.

Das aus China importierte und in Kalifornien (USA) gefertigte Produkt "Anso Comfort
Capsules
" enthält das nicht deklarierte Chlordiazepoxid (auch als verschreibungspflichtiges
"Librium" im Handel; es wird bei akuten und chron. Spannungs-, Erregungs- und Angst-
zuständen eingesetzt sowie als Schlafmittel, wenn gleichzeitig Benzodiazepin-Wirkungen
am Tage erwünscht sind.) In der Werbung werden die Kapseln für die Behandlung einer
Reihe von Erkrankungen angepriesen, u.a. von Bluthochdruck, hohen Cholesterolspiegeln
und gleichzeitig darauf hingewiesen, daß es sich bei dem Produkt um ein natürliches
pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel handle. Bei einer Diabetikerin führte die Einnahme
der Anso Comfort Kapseln zu einer lebensbedrohlichen Hypoglykämie, die sich als Folge
von Wechselwirkungen mit anderen von der Frau eingenommenen Medikamenten ein-
stellte.

Zahlreiche Berichte weisen auf Vergiftungen durch Aristolochiasäure-haltige Nahrungs-
ergänzungsmittel und chinesische Pflanzenpräparationen hin. So hat Health Canada vor
der Verwendung des pädiatrischen Produkts Tao Chih Pien gewarnt. Das chinesische
Produkt soll diuretische und laxative Wirkung haben. Das Produktlabel weist nicht auf den
Gehalt der Tabletten an Aristolochiasäure hin, erwähnt jedoch als Bestandteil "Mu Fang"
hin. Mu Fang ist ein traditionell verwendeter Begriff und beschreibt zahlreiche Arzneipflanzen
u.a. auch von Aristolochia. Bereits 1993 wurde bei Belgischen Patienten nach der Einnahme
von Aristolochia-haltigen Arzneimitteln über eine "Chinesische Pflanzen-Nephritis berichtet, 
die auf Arisolochiasäure zurückzuführen war.

Nach 2-wöchiger Einahme von Polygonum multiflorum (Shou wu Pian) wegen grauer Haare
entwickelten sich bei einer 48-jährigen Frau die Symptome einer Hepatitis. Eine virale Genese
konnte ausgechlossen werden. Nach Absetzen der Medikation normalisierten sich die zuvor er-
höhten Leberenzyme wieder.