Bericht über den 3. Internationalen Phytomedizin-Kongreß
11.-12. Oktober 2000 in München
Zum 3rd International Congress on Phytomedicine in München
hatten sich etwa 600 interessierte Wissenschaftler aus 20 Ländern eingefunden. In seiner
Begrüßungsansprache stellte der Kongreß- präsident Professor Dr. Hildebert Wagner mit
Genugtuung fest, daß in den letzten 10 Jahren große Fortschritte in der Phytomedizin
erzielt wurden, insbesondere in den Bereichen von Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit.
Damit ist ein wichtiger Schritt hin zur rationalen Phytotherapie getan. Die Entwicklung
von Hightech-Methoden und die Anwendung neuer molekularbiologischer Verfahren hat nicht
nur die Entwicklung neuer, standardisierter und hochwirksamer Phytopharmaka ermöglicht,
sondern darüber hinaus weltweit zu einer Reorganisation von Gesundheitssystemen geführt,
wobei ein besonderer Schwerpunkt die Entwicklung von pflanzlichen Arzneimitteln zur
Behandlung und Verhütung chronischer Erkrankungen darstellt. Wagner drückte seine
Überzeugung aus, daß der 3. Internationale Kongreß für Phytomedizin mit seinen
Themenbereichen Klinik, Pharmakologie und Molekularbiologie den Teilnehmern zeigen wird,
daß die Phytomedizin auf dem besten Weg ist, ein anerkannter und wichtiger Bestandteil
eines Gesamtkonzepts der Arzneimitteltherapie in den weltweiten Gesundheitssystemen zu
werden. Diese Erkenntnis ist Ansporn und Verpflichtung, die derzeit auf dem Markt
befindlichen Arzneimittelpräparate zu verbessern und neue Phytopharmaka aus Mitteln der
traditionellen Medizin zu entwickeln.
Professor Dr. med. Dr. med. h.c. mult. Fritz H. Kemper, der Präsident der Gesellschaft
für Phytotherapie und Chairman von ESCOP begrüßte die Teilnehmer im Namen von GPT und
ESCOP und wies darauf hin, daß ohne die durch pharmazeutische Biologie, Phytochemie und
Pharmakologie erzielten experimen- tellen Ergebnisse ein wahrer Fortschritt der modernen
Phytomedizin nicht denkbar wäre. Er definierte Phytomedizin als kollektiven Ausdruck, der
unter dem Oberbegriff der klassischen konventionellen Medizin sowohl
Anwendungsbeobachtungen und kontrollierte klinische Studien zum Nachweis der Wirksamkeit
als auch klinisch-pharmakologische Studien vereint. Klinisch-pharmakologische Studien
bieten die Möglichkeit, unsere Kenntnisse über funktionelle Einflüsse zu verbessern und
einen Einblick in molekulare Mechanismen zu gewähren.
Der 3. Internationale Phytomedizinkongreß zeigt ebenfalls, daß die Europäische und
internationale Zusammenarbeit der drei wissenschaftlichen Gesellschaften - der
Gesellschaft für Arzneipflanzen- forschung (GA), der European Scientific Cooperation on
Phytotherapie (ESCOP) und die nationale Gesellschaft für Phytotherapie (GPT) und ihre
Mitglieder in hohem Masse an der Förderung von Herbal Medicinal Products (HMP) und ihrer
wissenschaftlichen Grundlage interessiert sind. Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit sind
zusammen mit der Qualifikation, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der verantwortlichen
Wissenschaftler, die entscheidenden Voraussetzungen um dieses Ziel zu erreichen.
Plenarvorträge
In seiner Übersicht über "Klinische Prüfungen mit Phytopharmaka"
differenzierte Professor Schulz, Berlin zwischen rationaler und traditioneller
Phytotherapie. Die von der rationalen Phytotherapie eingesetzten pflanzlichen Arzneimittel
werden auch von der modernen Medizin anerkannt. Das Hauptproblem für die Integration der
Phytopharmaka in die moderne Medizin besteht darin, das Auftreten ausgeprägter
psychodynamischer Effekte, die nicht nur mit den aktiven Substanzen von Phytopharmaka
assoziiert sind, sondern auch mit den typischen Indikationen der Phytotherapie. Hinzu
kommt daß die Kosten für klinische Studien von HMPs, die nach den gleichen Standards wie
denen für chemisch-synthetische Monopräparate durchgeführt werden sehr viel höher
sind. Eine 1998 für die 100 in Deutschland am häufigsten verschriebenen Arzneimittel
durchgeführte Analyse hat ergeben, daß für Phytopharmaka eine Korrelation zwischen der
Verschreibungshäufigkeit und dem Nachweis der klinischen Wirksamkeit besteht, wobei
klinische Studien nur von einer kleinen Anzahl von pharmazeutischen Unternehmen
durchgeführt worden sind. Die besten Belege für Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von
HMPs finden sich für die Indikationsbereiche "zentrales Nervensystem",
"kardiovaskuläre Erkrankungen", Erkrankungen des Urogenitaltraktes" und
"für spezielle Behandlungsmethoden zur lokalen Schmerztherapie". Teilweise
unbefriedigend ist die Datenlage in den Bereichen "unspezifische Stimulation
körpereigener Abwehrmechanismen" und "Gynäkologische Erkrankungen".
Kontrollierte klinische Studien von guter bis angemessener Qualität liegen insbesondere
für Extrakte und Zubereitungen folgender pflanzlicher Drogen vor: Ginkgoblätter,
Johanniskraut, Kava-Kava-Wurzel, Baldrianwurzel, Weißdornblätter mit -früchten,
Knoblauch, Roßkastaniensamen, Efeublätter, Kamillenblüten, Pfefferminzöl,
Mariendistelfrüchte, Sägepalmenfrüchte, Nachtkerzenöl und Paprikafrüchte vor.
Zum Problem der Bioäquivalenz von Phytopharmaka nahm Professor D. Loew,
Frankfurt Stellung. Die Eigenschaften der Phytopharmaka werden bestimmt durch das für die
Herstellung der Zubereitungen verwendete Ausgangsmaterial und durch den
Herstellungsprozeß. Da Generika bekannter Phytopharmaka in großer Menge angeboten
werden, erhebt sich die Frage nach der Vergleichbarkeit und der therapeutischen
Äquivalenz derartiger Produkte. Ausschließlich eine biopharmazeutische in-vitro und eine
pharmakodynamisch/ pharmakokinetische in-vivo-Äquivalenz garantieren gleiche klinische
Wirkungen. Um die Prinzipien der biopharmazeutischen Prüfung von chemischen Produkten auf
Phytopharmaka übertragen zu können, müssen die folgenden Kriterien erfüllt sein:
Identische Extrakt oder der Extraktfraktionen bzw. identisches Droge/Extrakt-Verhältnis,
identische qualitative und quantitative Zusammensetzung, identisches Verhältnis zwischen
aktiven Komponenten und Begleitstoffen, identische Applikationsform, identische Einzel-
und Tagesdosis, qualitative und quantitative in-vitro-Konformität. Voraussetzungen für
eine therapeutische in-vivo-Äquivalenz für einen direkten Beweis sind identische
Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien sowie identische Äquivalenz hinsichtlich
des pharmakodynamischen Effektes, für einen indirekten Beweis der Beleg der
Bioäquivalenz durch die Ersatzparameter AUC, Cmax und tmax
innerhalt des 90% Konfidenzintervalls. Keine Probleme bereiten Zubereitungen mit bekanntem
aktiven Prinzip wie im Falle von Aescin, Kavapyron, Salicin und Silibinin. Bei anderen
Zubereitungen kann die Äquivalenz belegt werden durch identische pharmakodynamische
Effekte wie im Falle von Agnus castus, Ginkgo biloba oder Harpagophyti radix.
Als Voraussetzung für die rationale Anwendung einer Droge nannte Professor H. Derendorf
(Gainsville, Florida Kenntnisse der im Organismus nach der Applikation vorhandenen
Konzentrationen. Dabei kommt der Frage nach dem Ausmaß der Bioverfügbarkeit und der
Geschwindigkeit der Resorption eine besondere Bedeutung vor. Ein allgemeines Problem bei
der Bestimmung der pharmakokinetischen Eigenschaften eines Phytopharmakons ist die
Tatsache, daß häufig die pharmakologisch aktiven Substanzen nicht bekannt sind. Nur wenn
eine Korrelation zwischen der Konzentration einer aktiven Substanz eines Naturprodukts und
seiner Wirkung bzw. seiner Nebenwirkungen vorhanden ist, sind pharmakokinetische
Untersuchungen einer chemischen Entität gerechtfertigt. Ist dies nicht möglich, kann als
Alternative zur Charakterisierung von Phytopharmaka eine pharmakodynamischen Ersatzmethode
(Surrogat) verwendet werden. Diese sollte leicht quantifizierbar sein und mit dem
therapeutischen Erfolg korrelieren. Derartige Surrogate ermöglichen die Bestimmung der
Gesamtaktivität eines komplexen biologischen Gemischs sowie den Vergleich verschiedener
Produkte.
Einen Überblick über die Entwicklung der Combretastine von der Entdeckung in
tropischen und subtropischen Bäumen der Familie Combretaceae bis zur klinischen Anwendung
gab Professor G.R. Pettit, Tempe, Arizona. Der Genus Combretum umfaßt 25 Arten, die in
der traditionellen Medizin in Afrika und Indien Anwendung finden. Ein fraktionierter
Extrakt aus Proben des südafrikanischen Baums Combretum caffrum erwies sich als
wirksam im reversen Astrocyten-System (9ASK) und gegenüber der P388
lymphozytären-Leukämie-Zelllinie (US National Cancer Institute). In der Folge wurde eine
Reihe von wirksamen Substanzen isoliert, darunter auch das Combrestatin A-4, das selektiv
die Neubildung von Blutgefäßen in Tumoren verhindert und im Gegensatz zur Wirkung in
normalen Geweben in Tumormestastasen zu einer Blockierung des Blutflusses führt. Im
November 1998 wurden 4 Phase-I-Studien initiiert, die sehr ermutigende Resultate
aufwiesen, so daß in Kürze zu Phase-II-Studien übergegangen werden kann.
In ihrem Beitrag über neue Aspekte der molekularen Grundlagen der Wirkung von
zytotoxischen Substanzen wies Frau Professor A. Vollmar, München darauf hin, daß
zahlreiche zytotoxische Naturprodukte potentielle Antitumormittel darstellen, wie z.B.
Taxol, die Vinca-Alkaloide oder Campothecin. Während allgemein eine erfolgreiche
Pharmakotherapie von Krankheiten einen adäquaten therapeutischen Index erfordern, bei dem
spezifische Effekte auf die Target-Zellen ausgeübt werden, während der übrige
Organismus unbeeinflußt bleibt. Bei der Krebsbehandlung ist das therapeutische Ziel die
Induktion eines tumorspezifischen Zelltodes. Wir wissen heute, daß Neoplasien nicht
ausschließlich auf eine Fehlregulation des Zellwachstums zurückzuführen sind, sondern
ebenso durch einen ineffizienten Zelltod (Apoptosis). Da der Apoptose eine wesentliche
Rolle in der Entstehung und dem Fortschreiten des Krebses zukommt, koinzidiert das Ziel
einer erfolgreichen Krebsbehandlung mit der Konzentration auf die molekularen Mechanismen,
die zum Zelltod durch Apoptose führen. Apoptose als therapeutisches Ziel bietet
gegenüber nicht-apoptotischen Methoden wesentliche Vorteile.
Der Ausdruck Adaptogene (Antistress-Drogen) bezieht sich auf eine kleine Gruppe von
pflanzlichen Drogen, die den Organismus an Stresssituationen anpassen und einen kurativen
Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben. Als Beispiele nannte Professor A.
Panossian, Yerevan, Armenien Eleutherococcus senticosus, Schizandra chinensis,
Rhaponticum carthamoides und Bryonia alba. Zu Pharmakologie und Klinik der
Adaptogene liegen zahlreiche Untersuchungen vor. Die Adaptogene entfalten in erster Linie
ihre Wirkung auf die Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinden- Achse des endokrinen
Systems. Zahlreiche Effekte der Adaptogene auf die Atmung, die kardiovaskuläre Funktion,
das gastrointestinale System, auf die Entwicklung der experimentellen Atherosklerose, auf
den Blutzucker und den Säure-Basen-Haushalt konnten nachgewiesen werden. Untersuchungen
an isolierten Organen, Geweben und Zellen haben eine starke antioxidative Wirkung sowie
Einflüsse auf die Inaktivierung von Katecholaminen in den adrenergen Synapsen, auf die
Monoamino-Neurotransmitter- funktion, auf die glatte Muskulatur, die Freisetzung von
Arachidonsäure, die Biosynthese von Leukotrien B4 in Leukozyten und
Nebennierenrindenzellen, die PAF-Aktivität, die Gewebeatmung und den Sauerstoffverbrauch,
den Kohlehydratphosphat-Stoffwechsel, die Hitzeschock-Proteine und die Bildung von
Polyaminen. In gesunden Menschen erhöhen die Adaptogene die Dauerhaftigkeit und
Genauigkeit von Bewegungen, das Denkvermögen und die Arbeitskapazität. Sie erhöhen die
Grundspiegel von Stickoxid und Cortisol in Blut und im Speichel von Athleten. Zahlreiche
klinische Studien wiesen die Wirksamkeit der Adaptogene bei Asthenie, psychiatrischen
Erkrankungen wie Neurose, psychogene Depression, Schizophrenie sowie bei neurologischen
Störungen, bei vermindertem Sehvermögen, bei der Hypotonie, bei kardiotonen Störungen,
Influenza, Pneumonie, chronischer Sinusitis, Otitis, Neuritis und Otosklerose,
allergischer Dermatitis, akuten und chronischen gastrointestinalen Erkrankungen,
trophischen Ulzera und anderen Erkrankungen. nach.
Der Beitrag von Professor J. Kobayashi, Sapporo, Japan über "marine Naturprodukte
als biomedizinische Quelle" zeigte, daß u.a. marine Pilze, Algen und Schwämme
Wirkstoffe enthalten, die eine Reihe von biologischen Wirkungen entfalten wie die Hemmung
der DNA-Polymerase, der HIV reversen Transcriptase, der Tyrosinkinase, der
Cyclin-abhängigen Kinase und der Matrix-Metalloproteinase, sowie antimikrobielle
Aktivitäten.
Über die Verwendung der aus der Volksmedizin Brasiliens und Afrikas berichteten Professor
A.J. Lapa, Sao Paolo, Brasilien ("Antihypertensive Drogen aus Südamerikanischen, in
der Volksmedizin verwendeten Pflanzen") und Prof. M.M. Iwu, Nsukka, Nigeria
("Neue Arzneimittel zur Behandlung von tropischen Erkrankungen aus Afrikanischen
Arzneipflanzen auf der Basis klinischer Ergebnisse: Ethnomedizinische Beispiele".
zurück zum Seitenanfang
Kurzvortäge
Herbal Medicinal Products -Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel?
Wie bereits in den vergangenen Kongressen 1998 und 1999 waren auch beim 3.
Internationalen Kongreß einige Referate arzneipolitischen Themen gewidmet. So gab Dr. B.
Eberwein vom BHA Bonn einen Überblick über Trends und Probleme der Herbal Medicinal
Products bei der weltweiten Anwendung in Selbstmedikation und professioneller Therapie.
Probleme für eine globale Anerkennung von HMPs als Arzneimittel erwachsen aus, daß die
den in den einzelnen Ländern bestehenden gesetzlichen Grundlagen sich deutlich
voneinander unterscheiden. Während Phytopharmaka in Deutschland sowohl in der
Selbstmedikation als auch in der ärztlichen Praxis eine lange Tradition haben, besteht in
anderen Ländern wie England und den USA für pflanzliche Arzneimittel keine derartige
Tradition in der etablierten Medizin sondern mehr in einigen paramedizinischen Bereichen.
Während auf der einen Seite alle Anstrengungen unternommen werden, um die Phytotherapie
auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen - siehe ESCOP-Monographien und WHO-Projekt -
gibt es Bestrebungen pflanzliche Produkte als Nahrungsergänzungsmittel zu deklarieren.
Mit diesem Problem setzte sich Professor. R Anton, Straßburg in Hinblick auf die
Verhältnisse in Frankreich auseinander. Von der EU sind Vorschläge für die
Klassifizierung pflanzlicher Produkte als sogenannte "Nutraceuticals" gemacht
worden. In zunehmendem Maße werden in Europa aus Ätherisch-Öl-Pflanzen hergestellte und
als traditionelle Arzneimittel verwendete Produkte auf den Markt gebracht und als
komplementäre oder als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet. Die Tatsache, daß die
Deklaration und Verpackung derartiger Produkte keine offiziellen Vorschriften existieren,
hat eine Verunsicherung der Verbraucher zur Folge. Aus diesem Grunde hat das Französische
Gesundheitsministerium ein Gremium aus Hochschulexperten und Vertretern aus Industrie und
Politik gebildet. Aufgabe dieser Arbeitsgruppe ist die Schaffung eines Bewertungssystems,
das dem Verbraucherschutz dient und es ermöglicht, deutlicher zwischen pflanzlichen
Arzneimitteln und Nahrungsmitteln zu unterscheiden.
Als Instrumente zur Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit von HMPs wurden die
Monographien von ESCOP und WHO erstellt. Einen Bericht hierzu gab Frau Dr. B. Steinhoff,
BAH Bonn. ESCOP hat bisher 60 Monographien zur Wirksamkeit und Sicherheit pflanzlicher
Drogen erstellt (s.a. Reuter, H.D. Kongreßbericht: Herbal Medicinal Products und
ihre Rolle im Gesundheitswesen. Symposium anläßlich des 10jährigen Jubiläums der
ESCOP. Zeitschr. f. Phytotherapie 2000; 21: 12-16 (2000)). Auf der Grundlage der
"Guidelines for the Assessment of Herbal Medicines", die die grundlegenden
Kriterien für die Bewertung von Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit pflanzlicher
Arzneimittel definieren ist im Rahmen des "WHO Traditional Medicine
Programme"beschlossen worden, ein technisches Dokument mit dem Titel "Model
Monographs of Widely Used Medicinal Plants" für die medizinische Erstversorgung zu
erstellen. Diese Monographien enthalten Informationen über botanische Merkmale,
Qualitätskontrolle und die wichtigsten aktiven chemischen Bestandteile sowie klinische
Anwendungen, Pharmakologie, Kontraindikationen und Nebenwirkungen. Bisher wurden 28
Modellmonographien veröffentlicht, 30 sind zur Veröffentlichung angenommen und ein
dritter Band von Monographien ist in Vorbereitung
zurück zum Seitenanfang
Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit
pflanzlicher Arzneimittel
Pharmakologie
Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit: Studien mit verschiedenen Phytopharmaka
E.U. Gräfe et al. untersuchten die Bioverfügbarkeit von Quercetin im Plasma von
Probanden nach Einnahme von Zwiebeln, Quercetin-4'-O-glucosid, Buchweizentee oder
Querzetin-3-O-rutinosid. Die Untersuchungen haben gezeigt, daß nach Einnahme der von
Quercetinglucosid wesentlich höhere Plasmaspiegel erreicht werden als nach Einnahme von
Quercetinrutosid. Die Verfügbarkeit von Quercetin hängt beim Menschen in erster Linie
vom Zuckeranteil ab. In geringerem Masse beeinflußt die Pflanzenmatrix Geschwindigkeit
und Ausmaß der Resorption.
it Hilfe eines System zur nichtinvasiven Exhalationsanalyse flüchtiger Verbindungen
können Konzentrationen im ppb- und sub-ppb-Bereich nachgewiesen werden (R. Bischoff). Die
zur Bestimmung verwendeten Sensoren weisen eine gute Empfindlichkeit für Aceton, Ethanol,
Thymol, Wasserstoffper- oxid, Ammoniak und einige Kohlenwasserstoffe auf. Auf Grund der
schnellen Sensorreaktion (< 0.5 sec pro Signal) stellt das System ein nützliches
diagnostisches Hilfsmittel dar.
Untersuchungen der Bioverfügbarkeit von Thymol aus dem Thymianextrakt Bronchipret®,
(Bionorica) erfolgten mit Hilfe einer neuen Methode zur Extraktion von Thymol aus
menschlichem Plasma und Urin (Headspace Festphasen-Mikroextraktion mit anschließender
gaschromatischer Untersuchung) (C. Kohlert et al.). Die Ergebnisse erster Untersuchungen
bei 12 Probanden belegen die Bioverfügbarkeit von Thymol nach Einnahme einer
Bronchipret®-Tablette.
Mit Hilfe der Methode der nichtinvasiven Exhalationsanalyse konnte bei 4 Probanden nach
Einnahme einer Bronchipret®-Tablette Thymol in der Atemluft nachgewiesen werden (G.
Schindler et al.). Die Konzentration von Thymol in der Atemluft steigt parallel zur
Konzentration im Blut an.
zurück zum Seitenanfang
Vergleichbarkeit "wirkstoffidentischer"
Phytopharmaka
In seinem Referat "Phytopharmaka - wann sind sie essentially similar
verwies R. Bauer auf die EU-Richtlinie 65/65/EEC Artikel 4.8.(a)ii wonach im Fall eines
Arzneimittels mit Anwendungserfahrung über mehrere Jahrzehnte ("well established
use") eine Zulassung auf der Basis der Bibliographie erfolgen kann. Eine
entsprechende anwendungserfahrung soll dann vorliegen, wenn eine ausreichende Zahl an
Patienten mit einem Produkt oder einem mit diesem im wesentlichen ähnlichen
("essentially similar") Produkt behandelt wurden. Eine vereinfachte Zulassung
soll erfolgen können, wenn ein Produkt einem bereits in der EU für mehr als 6/10 Jahre
zugelassenem Produkt im Wesentlichen ähnlich ist. Primär bezieht sich die geförderte
Ähnlichkeit auf eine ähnliche qualitative und quantitative Zusammensetzung des
Wirkstoffs und eine identische Arzneiform. Schnell freisetzende Arzneiformen können dabei
als gleichwertig aufgefaßt werden. Da bei pflanzlichen Arzneimitteln der Extrakt den
Wirkstoff darstellt, ist eine Gleichwertigkeit der Extrakte nachzuweisen. Als Kriterien
für die Gleichwertigkeit der Extrakte nennt Bauer:
Ausgangsdrogen mit vergleichbarer Spezifikation (Arzneibuchqualität) vergleichbarer
Herstellungsprozeß (vor allem bei Spezialextrakten)Extraktionsmittel mit vergleichbarer
Extraktionskraftidentisches DEVnativ
identische Tagesdosis (Menge Nativextrakt)
vergleichbare Freisetzung aus der Arzneiform
ähnliche Konzentrationen wirksamkeitsbstimmender Inhaltsstoffe (soweit bekannt)
Untersuchungen über eine vergleichbare Bioverfügbarkeit sind im klsssischen Sinne nur
bei Extrakten mit bekannter wirksamkeitsbestimmender Substanz möglich. Ein Phytopharmakon
wird trotz der Komplexizität seiner Zusammensetzung als Einheit angesehen (M.H. Kreuter,
A. Lardos). Die aus einer Pflanze gewonnene aktive Substanz (Phytopharmakon) kann
hinsichtlich ihrer Zusammensetzung erheblich Unterschiede aufweisen, die insbesondere auf
den Herstellungsprozeß zurückzuführen sind. Aus der komplexen Zusammensetzung eines
Phytopharmakons aus Substanzen und/oder Substanzgruppen, die interaktiv die
Pharmakodynamik, Pharmakokinetik, physikochemische und technologischen Eigenschaften
beeinflussen kann geschlossen werden, daß Pharmakokinetik und Pharmakodynamik des aktiven
Prinzips das Resultat der Summe der Charakteristika der einzelnen Komponenten darstellt.
Beim Vergleich verschiedener Phytopharmaka werden Komponenteneigenschaften als essentiell
bezeichnet, wenn alle aktiven Substanzen in den zu vergleichenden Phytopharmaka enthalten
sind. Optional sind sie, wenn die Komponenteneigenschaften nur für einige der aktiven
Substanzen spezifisch sind. Phytopharmaka sind "essentially similar" wenn die
Bestandteile qualitativ und quantitativ übereinstimmen. Ein Vielstoffgemisch gilt als
funktional, wenn die Übereinstimmung mit einer anerkannten, geprüften Vergleichssubstanz
gesichert ist. Good Development Practice (GDP) im Sinne der essentiellen Ähnlichkeit
bedeutet Evaluierung und Definition der Eigenschaften und Einflußparameter (Rohmaterial,
Verarbeitungsprozeß) die zu einem Produkt führen.
In seinem Referat "Phytopharmaka - Welche Bedeutung kommt den Eigenschaften der
Darreichungs- formen zu? Vergleichbarkeit durch Fingerprintanalyse" wies G. Tittel
darauf hin, daß für den Vergleich von Phytogenerika den chromatographischen
Fingerprintanalysen (HPLC.DAD/HPLC.MSD/DC/ HPTLC/GC) und dem Dissolution Test (DL) eine
besondere Bedeutung zukommt. Dabei sind mindestens zwei Fingerprints mit unterschiedlichen
Methoden erforderlich, um Unterschiede der Zusammensetzung von Phytogenerika sicher zu
erkennen. Allerdings garantiert die Phytoäquivalenz zweier Extrakte noch nicht, daß auch
die gleiche Bioverfügbarkeit vorliegt. Der DL-Test beantwortet die Frage, ob aus
phytochemisch äquivalenten Extrakten auch phytoäquivalente Arzneimittel hergestellt
werden können. Unterschiedliche Darreichungsformen wie Dragees, WGK und
Hartgelantinekapseln setzen den gleichen arzneilich wirksamen Extrakt in sehr
unterschiedlichem Maße frei. Nur durch Orientierung der Freisetzung am Originalpräparat,
dessen Bioverfügbarkeit bekannt ist, kann ein äquivalentes Generikum formuliert werden.
Ebenfalls zur Bedeutung der Eigenschaften der Darreichungsform von Phytopharmaka
nahm P.C. Schmidt Stellung. Die technologischen Eigenschaften von Phytopharmaka werden
insbesondere durch Begleitsubstanzen bestimmt. Am Beispiel eines Johanniskrautpräparates
wurde zunächst versucht, auf dem Wege der Direktkomprimierung von Johanniskrautextrakt
eine möglichst kurze Zerfallszeit zu realisieren. Anschließend wurden Trockengranulate
durch Kompaktierung hergestellt und diese für die Tablettenversuche eingesetzt. Die
Untersuchungen ergaben
daß die Trockengranulation der Direktkomprimierung überlegen ist,
daß durch die Trockengranulation Zerfallszeiten von unter 10 Minuten erreicht werden
können, was bei Direktkomprimierung bei gleichem Extraktgehalt der Tabletten nicht
möglich ist,
daß die Art der Einarbeitung eines Schmiermittels einen entscheidenden Einfluß auf die
Zerfallszeit hat.
Zum Thema "Phytogenerika - wann sind sie therapeutisch äquivalent" nahm V.
Schulz Stellung. "Therapeutisch äquivalent" sind solche Arzneimittel, mit denen
sich bei gleichartigen Patienten gleichwertige Verbesserunge erzielen lassen. Als
Maßstäbedienen Kriterien der Wirksamkeit, Verträglichkeit und Unbedenklichkeit. Die
Äquivalenz der Wirksamkeit kann in direkter Weise mit prospektiven Doppelblindstudien der
Vergleichspräparate nachgewiesen werden. Aus Gründen der Ökonomie und Ethik sind aber
vergleichende Analysen von Ergebnissen bereits vorliegender Studien ebenfalls
gerechtfertigt. Die Verträglichkeit ist bei Phytopharmaka in der Regel durch Anwendungs-
beobachtungen mit mehreren Tausend Patienten separat für jedes einzelne Präparat zu
belegen und retrospektiv zu vergleichen. Inwieweit Studien zur toxikologischen
Unbedenklichkeit mehrfach durchzuführen sind, ist im Einzelfalle zu prüfen.
Äquivalenz-Betrachtungen werden angestellt, um Geld und Zeit für überflüssige Studien
zu vermeiden, z.B. indem Defizite in der Dokumentation wechselseitig ergänzt werden.
Wieviel an therapeutisch relevanter Gleichwertigkeit gegeben sein muß, um auf eine
Übertragbarkeit aller Daten schließen zu können, ist in jedem Einzelfall eine Frage des
erzielbaren wissenschaftlichen Konsens.
zurück zum Seitenanfang
Bewertung klinischer Studien
Die Mehrzahl der zahlreichen systematischen Reviews zur Wirksamkeit
pflanzlicher Arzneimitttel interpretiert die vorliegenden Wirksamkeitsnachweise als
vielversprechend, jedoch in den seltensten Fällen als überzeugend (K. Linde et al.
München). Dabei sind die besonderen Probleme der systematischen Übersichten die
unzureichende Vergleichbarkeit verschiedener Extrakte, der Publikations-Bias, methodische
Fragen in zahlreichen älteren Publikationen sowie die unzureichende Berichterstattung
über die Ergebnisse. So ergab eine Bewertung von systematischen Übersichten in 44
Fällen eine Übereinstimmung mit den Einschlußkriterien (klinische Studien mit
Phytopharmaka, Behandlungseffekte als Endpunkt, explizite Beschreibung der
Review-Methoden, Vorliegen einer Publikation). In 17 Fällen enthielten die Übersichten
eine statistische Zusammenfassung (Metaanalyse) der Ergebnisse der Primärstudien. In 6
Übersichten standen methodische Fragen im Vordergrund. Mit Ginkgo-Zubereitungen befaßten
sich 10, mit Knoblauchpräparaten 7 und mit Hypericum 5 Übersichten. Die meisten
Übersichten gaben positive Ergebnisse an, jedoch eine geringe methodische Qualität,
besonders in älteren Arbeiten.
Die Bewertung von 246 Untersuchungen (171 offene Feldstudien, und 75 kontrollierte
Studien) durch einen externen Experten der Österreichischen Zulassungsbehörde zur
Beurteilung der deklarierten Angaben zu Sicherheit, Verträglichkeit oder Wirksamkeit
ergab nur in 14% der offenen Feldstudien (Anwendungsbeobachtungen) und in 49,3% der
Plazebo- oder Verum-kontrollierten klinischen Studien eine Übereinstimmung mit den
deklarierten Studienbedingungen (K. Gruber, R. Loyda, Wien). Negative Ergebnisse
resultierten aus zu geringen Patientenzahlen und/oder ungeeigneten Einschluß-/Ausschluß-
kriterien (20% vs. 34,2%), ungeeigneten Zeitpunkten (43,5% vs. 34,2%), ungeeigneten
Endpunkt- parametern (15,6% vs. 10,5%), biometrischen Mängeln (1,4% vs. 0%) und multiplen
Mängeln (15% vs. 21%).
zurück zum Seitenanfang
Phytotherapie in der Gynäkologie
Beiträge von W. Wuttke et al., A. Blank et al., H. Jarry et al.,
A. Brattström et al., H. Kuhl, D. Seidloà-Wuttke et al., E. Knüvener et al., A.
Queißer-Luft und Ch. Ismail.
Bei über 30% der weiblichen Bevölkerung treten auf Grund eines Östrogenmangels
in der Menopause Erkrankungen wie Osteoporose, Erkrankungen des Urogenitaltraktes,
möglicherweise auch Arteriosklerose und senile Demenz auf. Die zunehmende Kenntnis der
Östrogenwirkungen im Körper hat zur Entwicklung selektiver
Östrogenrezeptorenmodulatoren (SERMs) geführt, die östrogene Wirkungen im Knochen,
möglicherweise im Urogenitaltrakt und im kardiovaskulären System entfalten, den Uterus
und die Brustdrüsen jedoch nicht beeinflussen. Der Cimicifuga racemosa-Extrakt BNO
1055 enthält SERMs, die einen günstigen Einfluß im Gehirn, im Knochen und
möglicherweise in den Arterien entfalten. Bei der prämenstruellen Mastodynie wirken
Cimicifuga-racemosa-Zubereitungen
wahrscheinlich durch Einflüsse auf das nigrostriatale und mesolimbische System.
Untersuchungen an Ratten über den Einfluß von CR-Extrakt BNO 1055 auf die Expression
verschiedener Gene im Uterus, Knochen, Leber und Aorta zeigte daß die subakute und
chronische Behandlung mit CR-Extrakt weder das Uterusgewicht noch eines der
Östrogen-regulierten Gene im Uterus beeinflußt. Dagegen wurden die meisten Effekte von
PGE2 in Knochen, Leber und Aorta auch durch den CR-Extrakt hervorgerufen.
Auch Zubereitungen aus Vitex agnus-castus haben sich in der Behandlung des
prämenstruellen Syndroms, der cyclischen Mastodynie und von Zyklusstörungen bewährt.
Die häufigste Ursache von Zyklusstörungen und der Mastodynie ist eine manifeste oder
latente Erhöhung des Prolactinspiegel. Experimentelle pharmakologische Studien haben
nachgewiesen, daß Vitex-agnus-castus-Extrakte dopaminerge Substanzen enthält, die
an den, die Freisetzung von Prolactin inhibierenden Dopamin- Rezeptor (D2-Subtyp
des Dopaminrezeptors) binden. Insbesondere die stimulierte Prolactinfreisetzung wird durch
Agnus-castus gehemmt.. Vitex agnus-castus enthält mindestens zwei dopaminerge
Verbindungen: hydrophile, thermolabile Ca-Antagonisten sowie lipophile, thermostabilere
Verbindungen (bizyklische Diterpene mit der Molekularstruktur von Labdadienen und
Clerodadienen). Diese Diterpene hemmen die cAMP-Bildung und damit die Prolactinsekretion
mit etwa der gleichen molaren Aktivität wie Dopamin.
Die Wirksamkeit verschiedener Vitex-agnus-castus-Extrakte wurde in einer Reihe
kontrollierter klinischer Studien geprüft. In 4 von 7 Studien konnte eine signifikante
Senkung der initial erhöhten Prolactinspiegel und ein signifikanter Einfluß auf die
klinischen Symptome des prämenstruellen Syndroms nachgewiesen werden. In 3 Studien ohne
Beeinflussung der initial nicht erhöhten Prolactinwerte wurden ebenfalls signifikante
Symptomverbesserungen nachgewiesen. In zwei kürzlich abgeschlossenen Doppelblindstudien
bei Myalgie wurde die Wirksamkeit von Vitex agnus-castus ebenfalls nachgewiesen. Die
Prüfung von VAC gegen Vitamine B6 ergab für VAC den gleichen klinischen
Effekt wie für Vitamin B6. Zahlreiche offene Studien und
Anwendungsbeobachtungen haben gezeigt, daß das prämenstruelle Syndrom oder individuelle
Symptome durch VAC positiv beeinflußt werden können.
Auch für den VAC-Extrakt Ze 440 (60% Ethanol Monographie:/Monographie:, DEV 6-12:1,
standardisiert auf Casticin; Zeller AG, Romanshorn, Schweiz) konnte in einer
Plazebo-kontrollierten Studie bei 178 Patientinnen mit prämenstruellem Syndrom die
Überlegenheit von Verum gegenüber Plazebo nachgewiesen werden (Responderraten [ >50%
Symptomreduktion] 52% vs. 24%). Leichte Nebenwirkungen traten in beiden Behandlungsgruppen
mit gleicher Häufigkeit auf (4 vs. 3) und führten nicht zum Abbruch der Behandlung.
Problematisch ist in Hinblick auf die Bewertung von VAC-Präparaten verschiedener
Hersteller deren unterschiedliche pharmazeutische Qualität. So wurden bei einer
Untersuchung erhebliche Unterschiede (bis zum Faktor 100!) der dopaminergen Aktivität
festgestellt.
zurück zum Seitenanfang
Endokrine Dysfunktionen
Beiträge von, J. Freudenstein et al., D.J.H. Veale et al., A.-M. Beer et al.
Zur näheren Untersuchung des Wirkungsmechanismus von
Cimicifuga racemosa
wurden bei Ratten die Neurotransmitterkonzentrationen in Striatum, Hippocampus und
Hypothalamus nach einer 21-tätigen Vorbehandlung untersucht (A. Löhnung und H.
Winterhoff). Während die Konzentrationen in Hippocampus und Hypothalamus sich gegenüber
den unbehandelten Kontrollen nicht unterschieden, traten im Striatum signifikante
Veränderungen auf. Die Turn-
over-Rate von Serotonin in HIAA war signifikant vermindert (Hemmung von MAO und
Aldehyddehydrogenase), die Dopamin-Konzentration erhöht und die Spiegel von DOPAC und HVA
vermindert. Auch der verminderte Stoffwechsel von DOPAMIN zu DOPAC und HVA bei
unverändertem Turnover von DOPAC in HVA weist auf eine MAO-Hemmung hin. Im
Tail-Suspension-Test wurde bei weiblichen Mäusen nach 8-tägiger Vorbehandlung mit
CR-Extrakt eine verminderte Immobilitätszeit nachgewiesen.
In einer experimentellen Studie bei Ratten wurde nachgewiesen, daß Östrogen-abhängige
Brustdrüsentumore in vivo durch einen isopropanolischen Cimicifuga-racemosa-Extrakt
(Remifemin®, Schaper & Brümmer GmbH, Salzgitter) nicht promoviert werden (J.
Freudenstein et al.). Die in vivo erhaltenen Befunde weisen auf einen
Östrogen-antagonistischen Effekt hin und bestätigen in vitro Befunde, wonach Remifemin®
einen antiproliferativen Effekt auf MCF-7-Zellen ausübt.
Die in der südafrikanischen traditionellen Medizin als Wehenmittel verwendeten Extrakte
aus Agapanthus africanus und Cilivia Manati wurden am isolierten Myometrium
der Ratte auf ihre uterotonische Aktivität untersucht (D.J.H. Veale et al.). Die
Ergebnisse zeigen, daß die uterotonische Aktivität beider Extrakte mit einem erhöhten
Turnover von Phosphoinositiden zusammenhängt. Zwischen Agapanthus africanus und
Cilivia
miniata bestehen offensichtlich Unterschiede in den zur Erhöhung des intrazellulären
Calciums führenden Mechanismen.
Wäßrige Torfextrakte enthalten organische Substanzen, u.a. Fulvin- und Ulminsäuren, die
partiell antagonistische Effekte auf die Alpha2-, Adreno- und D2-Dopamin-Rezeptoren
ausüben (A.-M. Beer et al.). Die biologische Aktivität von Fulvin- und Ulminsäuren in
Torfbädern wurde durch Messung der Kontraktilität glatter Muskelfasern
(Meerschweinchenmagen) untersucht. Neben den partiell antagonistischen Effekten
wässeriger Torfextrakte und der wasserlöslichen Komponenten von Fulvin- und Ulminsäuren
auf die Alpha2-, Adreno- und D2-Dopamin-Rezeptoren, wies die
wasserlösliche Komponente von Ulminsäure einen partiell agonistischen Effekt auf die
Alpha2-, Adreno- und D2-Dopamin-Rezeptoren aus. In diesem Fall ist
eine andere Substanzgruppe beteiligt, die einen schneller eintretenden Hemmeffekt auf
diese Rezeptoren ausübt, jedoch in Wasser mit einem pH-Wert von 7,0 nur schwer gelöst
werden kann.
zurück zum Seitenanfang
Zentrales Nervensystem - Hypericum perforatum.
Pharmakologische Untersuchungen
Trotz weitverbreiteter Anwendung von Hypericum perforatum als Antidepressivum konnte der
Wirkungsmechanismus bisher nicht völlig aufgeklärt werden. Bei Patienten mit
Depressionen wurde eine Reihe von endokrinen Befunden erhoben wie Veränderungen in der
Hypothalamus-Hypophysen- Schilddrüsen-, der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-(HPA-),
und der Hypothalamus- Hypophysen-Somatotropin-Achse sowie Veränderungen in der
Prolactinsekretion. Eine abgeschwächte Reaktion des Wachstumshormons auf GHRH, eine
verminderte TRH-induzierter Anstieg von TSH und eine verstärkte Sekretion von ACTH und
Cortisol. Während die Bedeutung der anormalen Prolactin- und GH-Sekretion kontrovers
diskutiert werden, scheinen Veränderungen in der HPA-Achse ein Indikator für die
Depression zu sein. Um nähere Erkenntnisse zum Wirkungsmechanismus von Hypericum zu
erhalten, wurde der Einfluß von Hypericumextrakt und Hypericin sowie von Imipramin nach
Kurz- und Langzeitgabe auf die Plasmaspiegel von ACTH und Corticosteron untersucht (V.
Butterweck u. H. Winterhoff). Zwei Wochen nach täglicher Gabe von Imipramin, bzw.
Hypericum und Hypericin fanden sich signifikant verminderte Plasmaspiegel von ACTH und
Corticosteron. Nach Langzeitbehandlung über 8 Wochen konnten keine relevanten
Veränderungen nachgewiesen werden.
KI. Klier und G. Heldmeier untersuchten den Einfluß eines Hypericum-Extraktes auf den
täglichen Melatonin-Rhythmus bei Djyungarian Hamstern (Phosopus sungorus). Nach
Verfüttern des Hypericum-Extraktes über 3 Tage trat eine deutliche Reduktion der
6-Sulphatoxy-melatonin- Ausscheidung (60% der Kontrollen) ein, die sich nach weiteren 2
Tagen noch verstärkte (40% der Kontrollen). Die Reduktion der Melatoninausscheidung ist
dosisabhängig (1,5 mg/d: 25%; 3 mg/d: 35%; 6 mg/d: 45%).
Bei 12 Probanden führte die Applikation des 5% Hyperforin enthaltenden
Hypericum-Extraktes WS 5572 (Schwabe) bei Dosen von 300-1200 mg zu einer Stimulation der
Sekretion von Cortisol, GH und Prolactin. Unter Dosen von 600-1200 mg wurde eine
Stimulierung der Cortisol-Sekretion beobachtet, die 30 min nach der Applikation begann und
bis zu 90 Minuten andauerte (G. Laakmann et al.).
Die Bioverfügbarkeit eines auf 0,3% Hypericin und 5% Hyperforin standardisierten
Hypericinextrakts kann durch Verwendung einer Weichgelkapsel verbessert werden, wie
Untersuchungen von M. Agrosi et al. ergaben.
Tierexperimentelle Untersuchungen des psychopharmakologischen Potentials einiger in Indien
vorkommender Hypericum-Spezies (H. mysorene, H. hookerianum, H. patulum) ergaben
signifikante Effekte gegenüber psychopharmakologischen, mit der Depression im
Zusammenhang stehenden Wirkungen (P.K. Mukherjee, Rocklands, India).
Klinisch-pharmakologische und klinische Studien
Zur Wirksamkeit von Hypericum-Extrakten wurden folgende kontrollierten Studien
durchgeführt: 900 mg/die Hypericum-Extrakt LI 160 (Lichtwer Pharma) bei 119 depressiven,
alkoholabhängigen Patienten über 6 Wochen vs. Plazebo [ statistisch signifikanter
Vorteil von Hypericum gegenüber Plazebo]; 500 mg/die Hypericum-Extrakt ZE 117 (Zeller AG)
bzw. 500 mg Esbericum forte (Schaper & Brümmer bei 240 ambulanten Patienten mit
leichten Depressionen über 6 Wochen vs. 20mg/die Fluoxetin [therapeutische Äquivalenz
bei besserer Verträglichkeit von Hypericum, besondere Wirksamkeit des Extraktes bei
Patienten mit Angstsyndrom]. Bei Patienten mit rezidivierendem Herpes genitalis (n = 110)
bzw. Herpes labialis (n = 94) wurden 2 randomisierte Doppelblindstudien mit LI 160
durchgeführt. Die orale Applikation von 900 mg Hypericum-Extrakt während der
symptomfreien Intervalle und 1800 mg während der herpesaktiven Perioden reduzierte
Häufigkeit und Stärke der Episoden von Herpes labialis und Herpes genitalis in klinisch
relevanter Weise.
G. Laakman et al. untersuchten die klinische Wirksamkeit des Hyperforin-reichen Extrakts
(Neuroplant 300, Schwabe) mit 5% Hyperforin gegenüber einem nur 0,5% Hyperforin
enthaltenden Extrakt bzw. Plazebo. Bei Patienten, die den Hyperforin-reichen Extrakt
eingenommen hatten war die Reduktion der depressiven Symptome signifikant größer als in
der Gruppe mit niedrig dosiertem Hyperforin bzw. in der Plazebogruppe.
In einer plazebokontrollierten Doppelblindstudie wurde die Wechselwirkung zwischen
Hypericum und Digoxin untersucht (B. Uehleke et al.). Nach 14-tägiger Komedikation wurde
die 14h-AUCs von Digoxin durch 900 mg/die Jarsin® (Lichtwer Pharma) um 24,6%, durch
Kapseln mit 4g/die Hypericum-Pulver zu 27,1% erniedrigt. Eine Komedikation mit 0,5 und 1
g/die Hypericum-Pulver mit Tee oder Ölkapseln hatte keinen Einfluß auf die
Digoxinspiegel.
Ein Überblick über die aus Studien oder Spontanmeldungen resultierenden Meldungen über
Nebenwirkungen von Hypericum-Zubereitungen seit 1992 zeigt, daß diese ganz wesentlich vom
Extraktionsmedium abhängen. Methanolische Extrakte wiesen etwa 2,8-mal mehr
gastrointestinale und 3,4-mal mehr neuropsychiatrische Nebenwirkungen auf als Ethanolische
Extrakte. Die übrigen Nebenwirkungen treten bei beiden Extrakten mit gleicher Häufigkeit
auf. Von einer Gesamtheit von 21 berichteten Nebenwirkungen betreffen 4 methanolische und
11 Ethanolische Extrakte, 6 konnten nicht zugeordnet werden. Es existieren Hinweise für
Wechselwirkungen von Hypericum-Extrakten mit synthetischen Drogen wie Cyclosporin,
Cumarin-Antikoagulantien, Theophyllin und orale Kontrazeptiva. Diese beruhen
wahrscheinlich auf der Steigerung der Cytochrom-P-Aktivität durch Hypericum-Extrakte.
Zudem können Hypericum-Inhaltsstoffe P-Glycoprotein induzieren und damit z.B.
Digoxinspiegel senken. Diese Interaktionen treten außerordentlich selten auf, können
aber Notsituationen herbeiführen.
zurück zum Seitenanfang
Zentrales Nervensystem - Ginkgo biloba
Toxikologische Untersuchungen
H.Hecker et al. untersuchten toxische Reaktionen der in Ginkgo biloba
enthaltenen Ginkgolsäuren und verwandter Alkylphenole unter Verwendung menschlicher
Keratozyten und Nierentubulus-Epithelzellen von Rhesusaffen. Während ein definiertes
Gemisch von Ginkgolsäuren gegenüber den beiden Zelllinien IC50-Werte von 21
mg bzw. 4,6 mg/l aufweis zeigte der Ginkgo-Spezialextrakt Egb 761 (Schwabe) ein sehr
geringes toxisches Potential mit IC50-Werten von 900 mg/l bzw. 1480 mg/l.
Klinische Studien
Untersuchungen über den Einfluß einer 4-monatigen Gabe von 120 mg/die eines
standardisierten Ginkgo-biloba-Extraktes (LI 1370, Lichtwer Pharma) auf die Aktivitäten
des täglichen Lebens bei 1000 Probanden im Alter von im Mittel 68,9 Jahren zeigten
gegenüber 4028 nicht mit Ginkgo-Extrakt behandelten Kontrollen einen signifikanten
positiven Einfluß auf die Alltagsaktivitäten, die Stimmung und das Schlafmuster (S.M.
Cockle et al., Guildford, Surrey, UK).
In einer plazebokontrollierten Crossover-Doppelblindstudie wurde bei 20 gesunden
Versuchspersonen der Einfluß einer Gabe von 120, 240 und 320 mg/die eines
standardisierten Ginkgo-Extraktes (Pharmaton SA) auf die kognitiven Fähigkeit untersucht
(D. Kennedy et al.). Die Ergebnisse zeigen, daß Einzeldosen des Extraktes in der Lage
sind, eine anhaltende Verstärkung der kognitiven Fähigkeiten zu erzielen.
zurück zum Seitenanfang
Andere ZNS-aktive Substanzen
Neuropeptidasen (Zinkmetalloenzyme) wie die neutrale Endopeptidase (NEP oder
Neprilysin) und Aminopeptidasen (AP) sind an der Inaktivierung der an den Synapsen
freigesetzten Neuropeptide beteiligt und dienen daher der Abschaltung des so erzeugten
Peptid-Signals sowohl im zentralen Nervensystem als auch in der Peripherie. Eine Hemmung
dieser Enzyme führt zu einer Zunahme der Neuropeptidkonzentration und damit zu einer
Verlängerung ihrer Wirkung. .NEP und AP werden durch eine Reihe spezifischer Flavonoide
und andere phenolische Naturprodukte gehemmt. Im Gehirn ist NEP verantwortlich für die
Inaktivierung von Neuropeptiden wie der Enkephaline und der Substanz P, die an der
Regulierung komplexer Hirnfunktionen wie Verhalten, Motivation, Analgesie, Euphorie und
Sucht beteiligt sind. Ein Anstieg der Konzentration der Opioid-Peptide im Gehirn bewirkt
einen antidepressiven Effekt. Einige Chromonderivate wie Hyperforin und Hypericin hemmen
NEP der Hirnmembranen und könnten ihre pharmakologische Wirkung auf diesem Wege
induzieren. Andere NEP-Hemmer sind die Procyanidine.
zurück zum Seitenanfang
Antihepatotoxische Aktivität - Phytopharmaka zur Behandlung
chronischer Lebererkrankungen
14 der in der Ayurvedischen Medizin verwendeten Pflanzen wurde auf ihre
antihepatotoxische Aktivität untersucht. Die stärkste antihepatotoxische Aktivität wies
die Droge Punamava (Boerhaavia diffusa) auf (D.S. Lukas et al.) auf.
Bei Mäusen bewirkte ein methanolischer Extrakt von Plantago-major-Blättern bei der
Lipopolysaccha- rid-induzierten Entzündungsreaktion eine signifikante Erhöhung der
Malondialdehydbildung und einer signifikanten Reduktion von Leberzellnekrosen (M.S.
Miriamet al.).
Gegenüber dem durch Tetrachlorkohlenstoff induzierten oxidativen Stress in der Leber
erwies sich ein Extrakt aus Mikania cordata-Wurzeln (15-tägige Applikation von
50-150 mg/kg KG) als wirksam.
In einer offenen klinischen Studie wurde eine Drogenkombination mit den Hauptbestandteilen
Apium graveolens, Terminalia chebula, Cuminum cymium, Carum carvi, Argyreia speciosa,
Zingiber officinalis, Carum copticum, Azadirachta indica, Embelia officinalis, Terminalia
belerica, Elipta alba, Picorrhiza kurroa, Andrographis panicula, Boerrhaavia diffusa,
Phyllanthus niuri, Tinospora cordifolia und Tephrosia purpurea zur Behandlung
von 120 Patienten mit Virushepatits eingesetzt (A.S. Phadke). Mit Ausnahme weniger Fälle,
zeigten die Patienten eine statistisch signifikante Senkung der erhöhten Transaminasen
und Bilirubinspiegel sowie eine Verbesserung des Symptomen- scores.
zurück zum Seitenanfang
Forschung und klinische Studien mit Echinacea
In Echinacea purpurea konnten niedermolekulare Substanzen nachgewiesen werden (G.
Al-Hassan et al. und K. Witthohn et al. ) In lipophilen Hexanextrakten fanden sich neben
verschiedenen Terpenen 3 Alkamide, in Ethylacetatextrakten p-Coumarinsäuren und einige
bisher nicht beschriebene Substanzen wie Vomofoliol-9-ferulat und 2-Hydroxy-3-1(-carboxy-
ethenoyl)benzoesäure. Eine Verstärkung der Phagocytose von Blutzellen durch die
niedermolekularen Substanzen konnte nicht nachgewiesen werden. Die Untersuchungen
bestätigen Befunde anderer Untersuchungen, wonach die polymeren Kohlenhydraten bzw. den
Arabinogalactan-Proteinen die stärkste Phagocytose-Aktivität besitzen. Zum Nachweis von
Arabinogalactan-Protein kann die Ausfällung mit Yarivis-Reagenz verwendet werden (B.
Classen, W. Blaschek).
Die Wirksamkeit von Echinacea Preßsaft (EC31JO, Madaus) konnte in einer
plazebokontrollierten Studie bei 80 Patienten (41 Verum, 39 Plazebo) mit
Erkältungskrankheit nachgewiesen werden. Danach verkürzte der Preßsaft die mittlere
Erkältungsdauer von 9 auf 6 Tage. Die Nebenwirkungsrate entsprach der von Plazebo.
Toxizitätsstudien mit Echinacin (Madaus) am Ratten und Mäusen ergaben bei Applikation
einer Einzeldosis LD50-Werte von > 15.000 mg/kg p.o. und > 5.000 mg/kg
i.v. bzw. > 30.000 mg/kg p.o. und > 10.000 mg/kg i.v. Bei mehrfacher Applikation
über einen Zeitraum von 4 aufeinanderfolgenden Wochen von 800, 2.400 und 8.000 mg/kg p.o.
fanden sich bei beiden Spezies keine Anzeichen einer spezifischen Organtoxizität.
zurück zum Seitenanfang
Mistelforschung - Lectine
Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß Visum-Album-Extrakte eine Apoptose
induzieren, immunkompetente Zellen aktivieren und DNA-stabilisierende Eigenschaften
besitzen (A. Beizung). Während die zytotoxischen Eigenschaften auf die Viscotoxine und
die Mistellektine beruhen, werden die immunmodulierenden Wirkungen nicht nur den
Mistellektinen zugeschrieben sondern auch den Poly- und Oligosacchariden. Die für den
DNA-stabilisierenden Effekt verantwortlichen Substanzen sind bisher nicht bekannt.
Mistellektin I tötet bevorzugt CD16+/CD56+CD8- NK-Zellen
Mistellektin III bevorzugt CD8+CD62Llo (Memory)-T-Zellen. Einen
geringeren Effekt haben Mistellektine auf die CD19+B-Zellen. Die Viscotoxine
greifen die Zellmembran an und machen diese durchlässig. Die nachfolgend im Überschuß
gebildeten freien Radikalen können durch zelluläre Komponenten mit Redoxpotential nicht
mehr abgefangen werden. Neben der Verursachung des Zelltodes beschleunigen Viscotoxine die
durch Escherichia coli induzierte Phagozytose und den Sauerstoff-Burst von menschlichen
Granulozyten.
W. Voelter et al. legten Befunde über Struktur und Funktion verschiedener Lectine vor.
Aus der Primärstruktur von Mistellektin I konnte mit Hilfe eine Computer-gestützten
Untersuchung nachgewiesen werden, daß ML-I zu einer Klasse von Ribosom-inaktivierenden
Proteinen gehört. ML-III ist weitgehend homolog zu ML-I, unterscheidet sich von diesem
jedoch durch die Lokalisation der Glycolsylierungszentren. Hinsichtlich der
immunmodulierenden Eigenschaften von ML-I konnten potentielle antigene Determinanten
direkt aus seiner primären Aminosäuaresequenz, den hydrophilen Charakter, der
Oberflächenstruktur, der Rückgratflexibilität und sekundären Strukturparametern
abgeleitet werden.
Mistel-Zubereitungen sind zur Therapie des Non-Hodgkin-Lymphoms (Iscador®, Weleda), des
Mammacarcinoms (Vysorel®) sowie bösartiger Tumoren des Colons, Rectums, Magens und der
Lunge (Iscador) eingesetzt worden. Die Ergebnisse sind bisher enttäuschend wie eine
10-Jahres-Retrospektive von 200 mit Vysorel behandelten Krebspatienten gezeigt hat (M.
Konitzer et al). Allenfalls zeichnet sich ein Trend zu positiven Effekten bei Patienten
ab, die sich aktiv ihrer Krankheit stellen. So konnte in einer Studie (R.
Grossarth-Maticek et al. ) durch die Behandlung mit Iscador® eine mittlere
Überlebenszeit von 4,6 Jahren (622 Pat.) bzw. 4,23 Jahren (396 Patienten gegenüber 3,05
Jahren für die Kontrollgruppe erzielt werden.
zurück zum Seitenanfang
Phytoanalgesie mit Weidenrinden- und
Teufelskrallen-Extrakt
Weidenrindenextrakt enthält die Prodrug Salicin. Der Weidenrindenextrakt
Assalix (Plantina) hemmt die durch Arachidonsäure induzierte Thrombozytenaggregation in
geringem Maße. Die durch ADP und Collagen induzierte Aggregation wird nicht beeinflußt.
(N. Krivoy et al.). Pharmakokinetische Untersuchungen weisen darauf hin, daß der schwach
analgetische Effekt von Wiedenrindenextrakt bei Osteoarthritis nicht auf der Wirkung von
Salicylsäure allein beruht, sondern daß auch andere Drogeninhaltsstoffe an der Wirkung
beteiligt sind.
In einer Vergleichsstudie mit Assalix(Plantina) und VIOXX (MSD) erwiesen sich beide Mittel
als wirksam (S. Chrubasik et al.).
In seinem Referat weist D. Loew, Frankfurt darauf hin, daß vor der klinischen Anwendung
von Harpagophytum-Präparaten, nicht nur deren Harpagosid-Gehalt deklariert, sondern auch
die systemische Bioverfügbarkeit nach der Resorption von Harpagosid aus der
Harpagophytum-Präparation bestimmt werden müsse. Weiter sollten die Wirkungen des
jeweils eingesetzten Harpagophytum-Extraktes auf den Arachidonsäurestoffwechsel und die
Cytokinfreisetzung untersucht werden.
H. Ullman et al. untersuchten in einer Pilotstudie den klinischen Effekt Doloteffin®
(Ardeypharma) bei Patienten mit Rückenschmerzen und verglichen ihn mit der des
COX-2-Inhibitors VIOXX® (MSD). Die vorläufige Auswertung zeigte, daß hinsichtlich des
schmerzlindernden Effekts beide Behandlungen bei gleich guter Verträglichkeit gleich
wirksam sind.
Zu weiteren klinischen Studien mit Weidenrinden- und Harpagophytumextrakt wird auf den
Kongreßbericht von H.D. Reuter: Kongreß der IASP Special Interest Group on Rheumatic
Pain 18.-19. August 1999 Freiburg, Zeitschr. f. Phytotherapie 1999; 20: 329-334 (1999)
verwiesen.
zurück zum Seitenanfang
Erkrankungen des arteriellen und venösen Gefäßsystems
Untersuchungen der gefäßrelaxierenden Wirkung von 7 verschiedenen, mit 40-70% (V/V)
Ehanol bzw. 40-70% (V/V) Methanol oder Wasser als Auszugsmittel hergestellten
Crataegus-Extrakten ergaben für die alkoholischen Extrakte EC50-Werte zwischen
4,2 und 9,8mg/l, für Wasser einen Wert von 22,4 mg/l (W. Vierling et al.). Aus den
Ergebnissen kann geschlossen werden, daß die mit 40-70% Ethanol oder Methanol
hergestellten Extrakte hinsichtlich ihrer phytochemischen Zusammensetzung und ihren
pharmakologischen Wirkungen identisch sind.
Moringae oleifera wird in der Pakistanischen Volksmedizin zur Behandlung von
Bluthochdruck und Durchfall verwendet. Die Fraktionierung der Extrakte führte zur
Isolierung der ersten natürlich vorkommenden Thiocarbamate mit antihypertensiven und
antispasmodischen Wirkungen (K. Aftab, Karachi, Pakistan). Die isolierten Thiocarbamate
führten zu einer konzentrationsabhängigen (1-5 mM) Relaxation in mit Kaliumionen
präkontrahierten Aorten. Dieser Effekt der Thiocarbamate wird als
Calciumkanal-blockierende Aktivität gedeutet.
Inhaltsstoffe von Cynara scolymus beeinflussen den Lipidstoffwechsel (E. Artner-Dworzak
et al.). so hemmen 0,1 mg/ml eines steril gefilterten Artischockenextrakts (Finzelberg CH
97122066) den Einbau von 14C-Acetat in Cholesterol und Cholylglycin deutlich.
1mg/ml bewirken eine vollständige Hemmung. Eine Abnahme des Acetateinbaus in Triglyceride
wurde durch 5 mg/ml Extrakt hervorgerufen. Bis zu 24 Stunden nach Zugabe des Extrakts
nahmen die intrazellulären Konzentrationen von Cholesterol und Cholylglycin signifikant
ab. Keinen Einfluß hatte Artischockenextrakt auf die Retinol-Aufnahme aus der Nahrung bei
Kaninchen, die 111 Tage lang mit einer Retinol-freien Diät gefüttert wurden. Keinen
Einfluß zeigten 25 mg/kg K/die Artischockenextrakt auch auf den Serumcholesterol-Spiegel
bei hypercholeste- rolämischen Ratten, unter einer Diät mit 0,5% Cholesterol.
Die Rinde von Zanthoxylium clava-herkulis L., in den Südstaaten der USA
traditionell bei Zahn- schmerzen, Ulzera, Koliken, Durchfall, Verdauungsbeschwerden,
chronischen Gelenkschmerzen und Rheumatismus traditionell verwendet, enthält Alkaloide
mit Magnoflorin als Hauptalkaloid. Ein standardisierter Alkaloid-Extrakt aus
Zanthoxylium
clava-herkulis L. hemmt signifikant die durch Crotonöl im Anusbereich von
Versuchstieren hervorgerufene Schwellung und verbessert die Gefäßpermeabilität. In zwei
klinischen Studien bei Patienten mit Hämorrhoiden und Varikosis ergaben die Behandlung
mit dem Extrakt eine Besserung der klinischen Symptome und eine Verbesserung der
Durchblutung in den varikösen Gefäßen.
In einer Plazebo-kontrollierten Doppelblindstudie mit 20 Patienten und einer offenen
Studie mit 40 Patienten mit chronischer venöser Insuffizienz konnte nachgewiesen werden,
daß durch eine 2-monatige Behandlung mit 300 mg/die des französischen
Kieferrindenextrakts Pycnogenol® die Kapillarressistenz gesteigert und die perivaskuläre
Entzündung sowie das subkutane Ödem reduziert wird (C. Patrassi et al.).
Im Verlauf der extrakorporalen Zirkulation tritt eine Aktivierung der Gerinnung und des
Komplement- systems auf. Heparin vermag zwar die Gerinnungsaktivierung zu verhindern, hat
jedoch nur einen geringen Effekt auf die Komplementaktivierung. Es wurden daher durch
chemische Modifikation des ß-1,3-Glucans Curdian aus Alcaligenes faecalisund des
-1,4/1,6-Glucans Pullulan aus Aureobasidium pullulans definierte Curdian- und
Pullulansulfate hergestellt und ihre Wirkung auf das Komplementsystem untersucht (S. Alban
et al.). Im Gegensatz zu ihren gerinnungshemmenden Effekten sind die
Antikomplementaktivierungs-Effekte der Sulfate bis zu 500 mal stärker als die von
Heparin. Darüber hinaus schützen beide Substanzgruppen das Komplementsystem gegen
Autoaktivierung und nachfolgende Inaktivierung.
zurück zum Seitenanfang
Knoblauchforschung
Durch Inkubation von humanen Endothelzellen aus Koronararterien mit 3,0 mg/ml eines
wasserlöslichen Extrakt aus Knoblauchpulver (Lichtwer Pharma) reduzierte die IL-1
-induzierte Expression von interzellulären Adhäsionsmolekülen und
Gefäßadhäsionsmolekülen zu etwa 80% (V. Richter et al.). Diese Befunde geben eine
zusätzliche Erklärung für die antiatherogenen Eigenschaften von Knoblauch.
Untersuchungen von U. Brehme et al. zum Einfluß von Knoblauchpulver mit 1,0-1,4% Alliin
auf die mechanischen Eigenschaften der Aorta und die Plaquebildung bei mit Cholesterol
gefütterten Kaninchen zeigten, daß in diesem Tiermodell Knoblauch die Plasmalipide nicht
senkt und die Plaquebildung im Aortenbogen nicht verhindert. Auch die kontraktilen
Eigenschaften und die Endothelfunktion wurden nicht beeinflußt. Dagegen erhöht Knoblauch
in geringem Maße die Viskoelastizität der atherosklerotischen Gefäßwand.
Wässeriger Extrakt aus Allium sativum hemmt die Bindung von Calciumionen an
Heparansulfat-Proteo- glykan (G. Siegel und M. Malmsten). Auf diese Weise wird die Bildung
des initial für die Zusammensetzung von Miniplaques und damit für die Bildung von
arteriosklerotischen Plaques verantwortlichen ternären Proteoheparansulfat-Lipoprotein
(LDL)?-Calcium-Komplexes und damit die verhindert.
S-Allylcystein (SAC) ist eine der von Gamma-glutamyl-Peptiden abgeleiteten
wasserlöslichen Verbindungen aus Allium sativum, deren Gehalt im Verlauf der Extraktion
zunimmt (H. Amagase). SAC wird zur Standardisierung von gealtertem Knoblauch (Aged Garlic)
verwendet. Im Gegensatz zu den öllöslichen Inhaltsstoffen des Knoblauchs wie Allicin,
Sulfiden, Ajoenen und Vinyldithiinen, die nach der Aufnahme von Knoblauchzubereitungen
nicht im Blut nachgewiesen werden können (R.T. Rosen), ist die Pharmakokinetik von SAC
gut belegt. Da SAC in Knoblauchzubereitungen vorhanden ist, zahlreiche biochemische
Effekte besitzt und über eine gesicherte Bioverfügbarkeit besitzt, kann es als eines der
aktiven Prinzipien des Knoblauchs angesehen werden.
Als weitere aktive Substanzen mit cholesterolsenkenden Eigenschaften in
Knoblauchzubereitungen werden die Saponine angesehen (H. Matsuura et al.).
Mit sogenanntem gealterten Knoblauch (Aged Garlic) wurden folgende Wirkungen nachgewiesen:
In einer klinischen Studie mit gesunden Probanden: signifikante Hemmung der
ADP-induzierten Aggregation, signifikante Senkung der Spiegel des zirkulierenden TXB2
und signifikante Senkung der ALT-Aktivität im Serum (S. Dillon et al.); Hemmung der Cu2+-induzierten
LDL-Oxidation, Schutz der Endothelzellen vor Ox-LDL-induzierten Läsionen durch Verhütung
der intrazellulären GSH-Depletion und Modulation der NO-Bildung in vivo (N. Ide et al.);
Erhöhung des HDL-Cholesterols, Hemmung der Adrenalin-induzierten Aggregation, Hemmung der
Thrombozytenadhäsion an Fibrinogen, Steigerung der antioxidativen Aktivität, Erhöhung
der Plättchenglutathionspiegel und eine Verminderung der Zahl freier SH-Gruppen (M.
Okuhira et al.).
zurück zum Seitenanfang
Entzündung, Rheumatismus, Allergien und
Asthma
Gingerole aus Ingwer (Zingiber officinale) bewirken eine direkte
Aktivierung des VR1-Rezeptors sensorischer Neuronen. Sowohl 6- als auch 8-Gingerole
bewirken in vitro in Capsaicin-empfindlichen dorsalen Wurzelganglionneuronen eine
intrazelluläre Verschiebung von Calciumionen, die durch Capsazepin, einen
VR-1-Rezeptorantagonisten verhindert wird (V.N. Dedov). Voraussetzung für die Aktivität
der Gingerole ist die Anwesenheit einer Alkylseitenkette an den C-Atomen in Position 10
und 12.
In einer Plazebo-kontrollierten Doppelblindstudie konnte für ein Capsicum-Schmerzpflaster
bei 150 Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen eine Schmerzreduktion
von mindestens 30% in 60,8% der Capsicum-Gruppe und um 42,9% in der Plazebo- Gruppe
nachgewiesen werden (H. Frerick et al.). Eine mindestens 50%ige Besserung wurde in der
Capsicum-Gruppe doppelt so häufig gesehen als in der Plazebo-Gruppe. Nebenwirkungen
bestanden aus lokalen Reaktionen. Systemische Nebenwirkungen wurden nicht festgestellt.
Durch Extraktion bestimmter Kultivars von Kamillenblüten und Schafgarbe mit
Proazulen-Gehalten von 0,05% und 0,2% wurde Chamazulensäure, ein instabiles Abbauprodukt
der Guianolide erhalten. Sie weist eine auffallende strukturelle Ähnlichkeit mit Profenen
z.B. mit Ibuprofen auf, wobei ein Phenyl- bzw. Naphthyl-Substituent durch den Azulenrest
ersetzt ist (Goeters et al.) Aus den log P- und pKa-Werten schließen die Autoren, daß
Chamazulensäure und die Proazulene nach oraler Applikation bioverfügbar und damit
hauptsächlich für die systemischen Effekte von Kamillen- und Schafgarbe-Zubereitungen
verantwortlich sind.
Die aus dem Harz von Protium Klenii (Burseraceae) isolierten Gemische aus den
Triterpenen alpha- und ß-Amyrin weisen eine ausgeprägte antinociceptive Wirkung aus
(M.F. Otuki et a.). Die für die Wirkung verantwortlichen Mechanismen sind bisher unklar,
jedoch scheinen sie nicht in der gleichen weise zu wirken wie die Opioide.
Eine starke entzündungshemmende Wirkung weist der Saft aus den Blättern von
Kalanchoe
brasiliensis auf, wie an der Zymosan-induzierten Arthritis bei Mäusen nachgewiesen
wurde (T. Ibrahim et al.). Diese Eigenschaften sind besonders in Hinblick auf die
Behandlung der Arthritis von Bedeutung.
Ebenfalls eine Entzündungshemmung weisen Sophoricosid-Analoge aus den Früchten von
Sophora japonica (Leguminosae) auf (J. Yun et al.).Die Verbindungen sind Hemmer der IL-5
Bioaktivität und der mIL-5-abhängigen Y16 Proliferation. Sophoricosid hemmt
konzentrationsabhängig die Leukotrien-Freisetzung in IL-5-aktivierten Eosinophilen von
Asthma-Patienten mit einer IC50 von 2 µM. Die Bioaktivitäten von IL-3 und
IL-6 werden mit IC50-Werten von 6,9 µM und 6,0 µM gehemmt. Sophoricosid zeigt
eine starke Hemmung des allergischen Symptoms und der Eosineninfiltration in
Ovalbumin-sensibilisierten BALB/c-Mäusen und einen signifikanten entzündungshemmenden
Effekt gegenüber dem Carrageenin-induzierten Mäusepfoten-Ödem und gegenüber dem
Histamin-induzierten Pfotenödem.
In Konzentrationen von 50 und 100 mg/kg entfaltet das aus
den Wurzeln der
indonesischen Pflanze Polypodium feei METT isolierte Pronathocyanidin einen
analgetischen und entzündungshemmenden Effekt (A. Subamas und H. Wagner).
Cordatin, ein aus der Rinde der in Nordbrasilien heimischen Euphorbiacee
Aparisthinum
cordatum isoliertes Terpen besitzt gastroprotektive Eigenschaften (A.R.M. Souza Brito
et al.; C.A. Hiruma-Lima et al). So vermindert bei Mäusen die durch
Indomethacin/Betanecol bzw. Alkohol induzierten Läsionen signifikant zu etwa 75%. Im
HCl/Ethanol-Magenulkus-Modell wurde durch 100-250 mg/kg KG die Bildung von Magenläsionen
gegenüber den Kontrollen zu 70 und 77%. Die Befunde zeigen, daß die gastroprotektive
Wirkung mit einer Steigerung der Abwehrreaktionen der Magenschleimhaut oder mit den
antisekretorischen Eigenschaften im Zusammenhang steht.
zurück zum Seitenanfang
Antivirale, antifungale und antiparasitäre
Drogen
Aufgrund der Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen, die eine inverse Korrelation
zwischen Alkoholkonsum (speziell Weinkonsum) und Helicobacter- pylori-Infektionen
gezeigt haben wurde die Empfindlichkeit von H. pylori gegenüber getrocknetem Weinextrakt
und Resceratrol, einem in Rotwein vorhandenem Phytoalexin untersucht (C.B. Mahady et al.).
Die MIC50 (MIC90)-Werte für Rotweinextrakt betrugen 25 (50)
µg/ml, die für Reveratrol 12,5 (25) µg/ml, die der Kontrollsubstanz Amoxicillin
0,002-0,6 µg/ml.
E.S.Ólafsdóttir et al. untersuchten die Antimalaria-Aktivität der Alchemilla-Arten A.
faeroensis, A. alpina und A. vulgaris. Als am stärksten wirksam im Antimalaria-Test
erwies sich A. alpina. Der Ethanol-Ex- trakt sowie der Petroletherextrakt hemmt. die
Parasiten in einer Konzentration von 25 µg/ml.
Auf Grund experimenteller und klinischer Daten eigenen sich wässerige Extrakte von
Tinospora cordifolia als Adjuvans in der Therapie der Tuberkulose (R.N. Vaingankar et
al.). Der Extrakt stimuliert die Stickoxid-Synthese in alveolaren Makrophagen.
Ebenfalls eine Steigerung der NO-Produktion bewirken wässerige Extrakte aus
Kalanchoe
pinnata (B. Bossi-Bergmann). Bei Mäusen ist der Extrakt wirksam bei der Leichmaniasis
amazonensis.Die Anwendung bei einem Patienten führte innerhalb von 2 Wochen zu einer
Hemmung des Läsionswachstums und zu einer Normalisierung der Lymphknotengröße.
In einer Übersicht über gegenwärtige Trends und zukünftige Untersuchungen zur
Entwicklung von Phytopharmaka gegen die durch Giardia lamblia hervorgerufene Giardiasis
weist A.K. Agarwal u.a. auf die Ayurvedischen Konzepte zur Drogenentwicklung hin.
Untersuchungen mit Pipalli Rasayana, einer Zubereitung aus Früchten von Piper longum
und Asche von Butea monosperma zeigten eine bemerkenswerte Steigerung des
Antigiardiasis-Efekts um 77%.
Als insektizid wirksam erwiesen sich die Wurzeln der südafrikanischen
Mondia whitei
und der indischen Decaleps hamiltonii, sowie ihr aktiver Inhaltsstoffes
2-Hydroxy-4-methoxybenzaldehyd (Vanillin) (J. George et al.).
zurück zum Seitenanfang
Screening von Pflanzenextrakten und
isolierten Verbindungen
Ein zweistufiger Screening-Prozeß unter Verwendung eines DNA-Mikro-Arrangements
(Gen-Chip mit 100-500 Genen) zur globalen Darstellung der therapeutischen Aktivität und
einer quantitativen Echtzeit-PCR-Detektion der mRNA-Expression zur pharmakologischen
Darstellung von Wirkungsmechanismen (20-30 Gene) ermöglicht das Screening von
Arzneipflanzen (St.A. Orndorff). Die Entwicklung dieser Systeme erfolgte unter Verwendung
menschlicher Gene für spezifische therapeutische Indikationen wie Entzündung,
Leberstoffwechsel, Lebertoxizität und Immunreaktionen. Pflanzenextrakte, Fraktionen und
Reinsubstanzen wurden in humanem Vollblut und Zellkultursystemen als Ersatz für den
menschlichen Organismus untersucht. Die Genexpressions-Profile weisen
Dosis-Wirkungs-Beziehungstrends auf und weisen eine Genmodulation oberhalb und unterhalb
der Basiswerte sowohl in stimulierten (z.B. durch LPS oder PHA) als auch in unstimulierten
Systemen auf. Die mit Hilfe der Genexpres- sions-Modulation erhaltenen Ergebnisse konnten
durch die traditionellen Zellkultur-Bestimmungen mit verschiedenen Pflanzenextrakten und
Reinsubstanzen bestätigt werden. Das Genexpressions-Screening ethnomedizinischer Pflanzen
mit mutmaßlicher immunmodulierenden Eigenschaften hat bisher unbekannte Informationen
über Wirkmechanismen sowie über die auf Kultivierung, Ernte und Bearbeitung
beruhendeVariabilität der therapeutischen Aktivität von Pflanzenextrakten geliefert.
Diese Technik besitzt ein außerordentlich großes Potential zur Entdeckung neuer Drogen
sowie zur Qualitätskontrolle für pflanzliche Extrakte und als Ersatz für klinische
Tests.
zurück zum Seitenanfang
Traditionelle medizinische Systeme,
Therapien und Phytopharmaka
Titel der Beiträge:
K. Chan: Modernisierung der Chinesischen Medizin für das 21. Jahrhundert
R. Cooper: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse der traditionellen chinesischen Medizin und
des Gesundheitsnutzens von Grünem Tee.
D. Heber, Q. Lu, V.L.W. Go: Chinesische rote Hefe als Nahrungsergänzung: Bedeutung der
Variabilität der chemischen Zusammensetzung.
H. Reissenweber, S. Schaefer: Japanische Phytotherapie (Kampo): Ihre Stellung zwischen dem
Wissen auf experimenteller Basis und der modernen Arzneimitteltherapie.
H. Hamada, T. Matsumoto, H. Kiyohara: Stimulierende Effekte der Kampomedizin
Juzen-Taiho.To auf das intestinale Immunsystem und Charakterisierung der aktiven
Inhaltsstoffe.
H. Watanabe: Antidementia-Effekte der traditionellen Medizin.
D.D. Singh, C.S. Dey, K.K. Bhutani: Verständnis der Wirkungsmechanismen traditioneller
Indischer Phytopharmaka auf zellulärer Ebene.
K.R.Kohli, M. Vaidya: Das Konzept und die Behandlung von Diabetes mellitus in Ayurveda.P.
Basnet, T. Namba, K. Komatsu: Momordica charantia: Was wissen wir über seine
blutzuckersenkende Wirkung tatsächlich?
S. Sotheeswaran: Medizinische Pflanzen im Südpazifik
S. Bhadikar Deodatta: Wirksamkeit von "Romasanjanana Lepa" zur Regeneration von
Haar bei "Indralupta" (Alopecia)
Abschließend sei auf über 150 Poster hingewiesen, die Untersuchungen zu folgenden
Themen präsentierten:
Pharmakologisches und toxikologisches Screening von Pflanzenextrakten und
isolierten Verbindungen
Neue Pflanzeninhaltsstoffe und Arzneipflanzen mit biologischer/pharamakologischer
Aktivität
Standardisierung von Herbal Medicinal Products (HMPs)
Antiinfektiöse Drogen: (antiviral, antifungal, antiparasitär)
Antihepatotoxische Aktivität - HMPs zur Behandlung chronischer Lebererkrankungen
Entzündung: Rheumatismus, Asthma, Allergien
Krebs, Immuninsuffizienz
Zentrales und autonomes Nervensystem
Hypericum
Endokrine Dysfunktion
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit
Traditionelle Medizinische Systeme, Therapien und Phytopharmaka
|