Rudolf-Fritz-Weiß-Preis zum 14. Mal verliehen

Der im Gedenken an die Verdienste des Internisten Professor Dr. med. Rudolf Fritz Weiß von der Fa. Bionorica, Neumarkt gestiftete Preis wurde von der Gesellschaft für Phytotherapie im Jahr 2000 anläßlich des 3. International Congress on Phytomedicine im Rahmen eines Empfangs der Bayerischen Staatsregierung in der Münchener Residenz verliehen.

Die Preisträgerin Frau Dr. Anke Löhning vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der westfälischen Wilhelms- Universität Münster erhielt die Auszeichnung für ihre Inaugural-Disser- tation mit dem Titel

"Beitrag zur pharmakologischen Charakterisierung von Zubereitungen aus Cimicifuga racemosa Nutt, Ranunculaceae".

Die Arbeit befaßt sich mit Cimicifuga racemosa, der Traubensilberkerze, einer Arzneipflanze, die der traditionellen Medizin Nordamerikas entstammt und im europäischen Kulturkreis in der Therapie klimakterischer Beschwerden verwendet wird.

Das wesentliche Verdienst dieser Arbeit und damit der Preisträgerin, ist die mit einem breiten Spektrum von in-vivo- und in-vitro-Untersuchungen erzielte Charakterisierung der pharmako- logischen Wirkungen von Cimicifuga und damit die Erarbeitung der naturwissenschaftlichen Rationale für den Einsatz von Zubereitungen dieser Arzneipflanze in der Humanmedizin unserer Zeit.

Die Ergebnisse der Dissertation faßt die Autorin wie folgt zusammen:

"In der vorliegenden Arbeit konnte erstmals eine Reduktion der hot flush-Inzidenz kastrierter Versuchstiere sowie eine antidepressive Aktivität nachgewiesen werden. Letztere könnte auf einer MAO-Hemmung beruhen, auf welche nach 21-tägiger Behandlung infolge eines verminderten Umsatzes von Serotonin zu HIAA und von Dopamin zu DOPAC und HVA geschlossen wurde.

Ebenfalls wurden erstmalig zentrale D2-Rezeptor-vermittelte Wirkqualitäten der
Cimicifuga-Extrakte in vivo und in vitro gezeigt, ein Effekt, der durch Triterpene vermittelt zu sein scheint.

Eine estrogene Wirkung konnte in vitro durch die Proliferationssteigerung von MCF-7 Zellen nachgewiesen werden. Verantwortlich hierfür waren die phenolischen Inhaltsstoffe. Auf einen estrogenen Effekt dürfte auch die Reduktion der LH-Sekretion von Hypophysenzellkulturen zuruckzuführen sein. In den verwendeten in vivo Modellen konnte keine einheitliche estrogene Wirkung gezeigt werden. Diese Befunde könnten durch eine Inaktivierung der estrogenen Inhaltsstoffe nach oraler Applikation oder eine zu geringe Empfindlichkeit der eingesetzten in vivo Modelle erklärt werden. Zum anderen könnte ein selektives, eventuell zentral angreifendes Estrogen in den Extrakten vorliegen, welches keinen Einfluß auf die klassischen Testparameter ausübt.

Die ermittelten Befunde sollten Anlaß zu weiteren sowohl pharmakologischen als
auch klinischen Studien mit Extrakten der Traubensilberkerze geben. Von besonderer Bedeutung wird die Überprüfung zentraler und estrogener Parameter nach längerer Behandlung sein.

Der Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Fritz H. Kemper führte in seiner Laudatio aus, daß die ganze Anlage der Arbeit zeigt, daß im vollen Bewußtsein dessen geforscht wurde, dass die Pharmakologie von komplexen Wirkstoffen mit komplexxen Modellen, d.h. in vivo erforscht werden muss. Anschließend können die Fragen zu den Wirkmechanismen auf in-vitro-Ebene analysiert werden. In seine Laudation schloß Professor Kemper explizit auch das Institut für Pharmakologie und Toxikologie ein, an welchem die Arbeit entstanden ist. Die Jury der Gesellschaft für Phytotherapie ist in Anbetracht dessen und wegen der systematischen wissenschaftlichen Bearbeitung des Gegenstands der Arbeit - der Pharmakologie von Zubereitungen Cimicifuga racemosa - zu der Entscheidung gelangt, daß Frau Anke Michaela Löhning mit der oben skizzierten Arbeit erste Preisträgerin des Rudolf-Fritz-Weiß- Preises 2000 ist. Ein zweiter Preis konnte in diesen Jahr nicht vergeben werden.

Abschließend forderte der Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie alle anwesenden Wissenschaftler auf, sich stärker als in den vergangenenen Jahren an der Ausschreibung zu beteiligen. Die Gesellschaft für Phytotherapie würde es begrüssen, wenn die Urheber die Gelegenheit wahrnehmen würden, sich um den Preis der Gesellschaft zu bewerben. Ein solche Preisvergabe sei ja auch ein Stück Öffentlichkeit und Renommé für die wissenschaftliche Phytotherapie, aber auch für den oder die Preisträger oder Preisträgerin(nen).

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Der Präsident übereicht der Preisträgerin die Urkunde

 

 

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