Die am 17. November 1971 in Köln gegründete Gesellschaft für Phytotherapie e.V. (GPhy) ist eine Vereinigung von Ärzten, Apothekern und Naturwissenschaftlern. Die Gesellschaft fördert die biologische, pharmakologische und klinische Forschung sowie ärztliches Erfahrungswissen auf dem Gebiet der Phytopharmaka (Phytomedizin; engl. Herbal Medicinal Products). Die GPhy unterstützt die Sammlung, Erarbeitung und Auswertung von wissenschaftlichem Erkenntnismaterial für eine therapeutische Anwendung von Arzneipflanzen, deren Inhaltsstoffen und Zubereitungen hiervon (Phytopharmaka) in Klinik und Praxis.
Die Phytotherapie, die Verwendung von Phytopharmaka in der Behandlung, wird immer wieder zu Unrecht zusammen mit sogenannten "alternativen Therapierichtungen" genannt. Während die Mehrzahl dieser alternativen Therapien jeder naturwissenschaftlichen Grundlage entbehrt und sich häufig an weltanschaulichen und glaubensmäßigen Maximen orientiert, ist die von der Gesellschaft für Phytotherapie vertretene moderne Behandlung mit Arzneipflanzen-Zubereitungen weder eine besondere noch eine alternative Therapierichtung sondern integraler Bestandteil einer wissenschaftlich fundierten Pharmakotherapie, damit Teil der allopathischen Medizin (Schulmedizin).
Die Gesellschaft für Phytotherapie tritt daher mit Entschiedenheit der Meinung entgegen, die Phytotherapie sei eine Alternative zur Therapie mit synthetischen Arzneimitteln. Sie betrachtet die Phytotherapie vielmehr als sinnvolle Ergänzung zur Behandlung mit synthetischen Monopräparaten, vor allem bei der Behandlung nicht lebensbedrohender Erkrankungen, insbesondere aber bei chronischen Gesundheitsstörungen, wie aber auch als Möglichkeit zum Einsatz als Alleinbehandlung bei ausgewählten Indikationen (z. B. Erkältungskrankheiten, Magen-Darmstörungen) und zur Erhaltung der Gesundheit.
Mit Protest hat die Gesellschaft für Phytotherapie kürzlich auf die Empfehlungen aus unserem Gesundheitswesen reagiert, sogenannte umstrittene Arzneimittel nicht mehr oder nur noch außerordentlich restriktiv zu verwenden. Pflanzliche Arzneimittel wären bei dieser Definition in besonderem Maße betroffen. Dabei handelt es sich bei den anerkannten Phytopharmaka keineswegs um umstrittene Arzneimittel. Sie sind in ihrer Wirksamkeit und Unbedenklichkeit medizinisch und wissenschaftlich eingehend untersucht und eindrucksvoll dokumentiert worden. Ihr therapeutischer Einsatz ist nachgewiesenermaßen in weiten medizinischen Bereichen sehr wirkungsvoll. Dazu zählen u.a. im weitesten Sinne die Herz-Kreislauferkrankungen, psychische Krankheitsbilder wie Angstzustände und Depressionen, Prostata- und Harnwegserkrankungen, Atemwegsinfekte, eine verminderte Immunabwehr und gastrointestinale Erkrankungen. Außerdem bieten Phytopharmaka älteren, multimorbiden Patienten eine wirksame Linderung ihrer vielfältigen Beschwerden. Schließlich spielen Phytopharmka auch im präventiven Bereich der Gesundheitsvorsorge eine immer bedeutendere Rolle.
Ein besonderes Anliegen der Gesellschaft ist die Wiedereingliederung der Lehre über Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen der Phytotherapie in die Ausbildung der Pharmazeu-ten und Mediziner. Sie unterstützt dieses Ziel an den deutschen Hochschulen durch entsprechendes Lehrmaterial und die Organisation von Lehrveranstaltungen. Im Bereich der ärztli-chen Fort- und Weiterbildung vermitteln fachkundige Mitglieder der Gesellschaft durch Vorträge und Seminare Kenntnisse der Phytotherapie, wie u.a. bei den Internationalen interdisziplinären Seminar-Kongressen für ärztliche Fortbildung des Berufsverbandes Deutscher Internisten BDI e.V., den Fortbildungskongressen der Landesärztekammern und den Fortbildungskongressen des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren e.V.
In bisher 10 von der Gesellschaft für Phytotherapie veranstalteten Kongressen wurden aktuelle Fragen der praktischen Anwendung von Phytopharmaka referiert und diskutiert (Symposien und Kongresse).
Eine enge Kooperation besteht zwischen der Gesellschaft für Phytotherapie und der Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung e.V.. Während die wissenschaftlichen Aktivitäten der letzteren vor allem die Ausgangsmaterialien der Phytopharmaka betreffen, bemüht sich die Gesellschaft für Phytotherapie vorrangig um die Förderung einer experimentellen Erforschung der Wirkungen und der Wirksamkeit sowie eine praktische Anwendung der Phytopharmaka. 1994 fand in Marburg das 1. Symposium beider Gesellschaften über pflanzliche Gallentherapeutika statt.
Auf europäischer Ebene haben am 18. Juni 1989 die nationalen Fachgesellschaften für Phytotherapie der Bundesrepublik Deutschland, der Niederlande, Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens und der Schweiz sich zu einer wissenschaftlichen Kooperation, der "European Cooperative on Phytotherapy" (ESCOP) zusammengeschlossen. Heute gehören neben den Gründungsmitgliedern die Fachgesellschaften von Dänemark, Griechenland, Italien, Irland, Österreich, Portugal, Schweden und der Türkei als gleichberechtigte Vollmitglieder zur ESCOP Ltd. Mit Gesellschaften aus Kroatien, Finnland, Island, Rußland und Spanien bestehen assoziierte Mitgliedschaften, mit Verbänden aus Ausstralien, Indien und den USA offizielle Kontakte.
Das Ziel der European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP Ltd.) ist eine verbindliche Feststellung des Status der Phytopharmaka und die Harmonisierung der unterschiedlichen Beurteilungskriterien für die Zulassung von Phytopharmaka auf europäischer Ebene; diese Aufgaben erfüllen wissenschaftliche Fachgruppen.
Die Ziele von ESCOP sollen erreicht werden durch:
Das 4. Internationale ESCOP-Symposium wurde von der Gesellschaft für Phytotherapie 1996 in Köln ausgerichtet.
Das 5. Internationale ESCOP-Symposium findet vom 15.-17. Oktober 1998 in London statt.
Die Seiten wurden von Oliver Haustein
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Bei Fragen, Problemen und Anregungen wenden Sie sich bitte an Herrn Prof. Dr. Reuter
Stand: 26. Juli 2004