Erkrankungen der Atemwege

Der grippale Infekt 

         Als Erkältung im weiteren Sinne oder grippale Infekte werden die akut auftretenden, infektiösen, katarrhalischen Erkrankungen der oberen Luftwege verstanden, die in 95% der Fälle durch Viren hervorgerufen werden. Der Befall der Schleimhäute von Nase, Nasennebenhöhlen und oberem Respirationstrakt erfolgt vorwiegend durch die zu den Picornaviren gehörenden Rhinoviren, wobei in der Mehrzahl der Fälle 30 der insgesamt über 100 Serotypen für die Infektionen verantwortlich sind. Außer den Rinoviren werden die Atemwegserkrankungen gelegentlich auch durch Corona-, Adeno-, Myxo- und Reoviren hervorgerufen.
        In wenigen Fällen (ca. 5%) können banale Atemwegsinfekte auch bakteriell bedingt sein. Die häufigsten Erreger sind hierbei Streptokokken der Gruppe A, Corynebacterium diphteriae und Mycoplasma pneumoniae.  
        Als unspezifische Immunantwort auf die Virusinfektion treten folgende Allgemeinsymptome auf:

Niesreiz

Schnupfen

Husten

Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen

allgemeines Krankheitsgefühl

Frösteln

subfebrile Temperaturen


        Durch die lokale Reaktion des die Entzündung induzierenden Tumornekrose-
faktors
a (TNFa) kommt es zu Veränderungen in den lokalen Blutgefäßen und zu einer Permeabilitätserhöhung mit Flüssigkeitsansammlung, Schwellung und Schmerz. Außerdem werden Adhäsionsmoleküle gebildet, die einen  Zellrezeptor für Rhinoviren darstellen.
        Die Symptome treten meist innerhalb der ersten 24 Stunden nach Virusbefall auf, erreichen am 2. Tag ein Maximum und dauern 7-14 Tage an. Besonders häufig wird der grippale Infekt bei einer Schwächung des Immunsystems manifest. Dabei können mehrere Rezidive kurz hintereinander auftreten. Eine Schwächung des Immunsystems tritt besonders bei naßkaltem Wetter aber auch unter starker körperlicher und seelischer Belastung, in der Rekonvaleszenz sowie bei Kleinkindern und Personen im höheren Lebensalter auf.

Die Tatsache, daß im Gefolge von kalten Füße häufig eine Erkältung auftritt, findet ihre Erklärung ebenfalls durch eine Schwächung des Immunsystems. So verengen sich bei kalten Füßen auf reflektorischem Weg die Blutgefäße der Blase und der Harnwege. Die schlechtere Durchblutung führt u. a. zu einer Verringerung der zellulären Immunabwehr und das Risiko einer Erkältung oder Blasenentzündung steigt. Auch bei Zugluft steigt das Risiko einer Erkältung. Während normalerweise der Organismus auf kalten Wind mit einer Senkung oder Steigerung der Durchblutung reagiert und damit die Körpertemperatur konstant hält, versagt bei kühler Zugluft in warmen Räumen dieses Regulationssystem. Die Abkühlung wird zu spät bemerkt und der Körper kühlt aus. Mit der Abkühlung wird auch die Aktivität des Immunsystems vermindert und die Viren breiten sich aus.

        Auf anfängliche Symptome des Erkältungsschnupfens wie Niesreiz und trockener Nasenschleimhaut folgen innerhalb weniger Stunden als Ausdruck der Entzündungsreaktion die Absonderung eines zunächst wäßrigen (serösen), später schleimigen Sekrets aus der Nase (katarrhalische Rhinitis) mit dem Gefühl der verstopften Nase. Bei bakterieller Sekundärinfektion wird das Sekret visköser und nimmt eine gelbliche Farbe an (Eiter, bestehend aus zahlreichen polymorphkernigen Leukozyten, nekrotischen Gewebszellen und wenig Serum).
        Bei Ausbreitung der entzündlichen Reaktion auf die Nasennebenhöhlen können sich Sinusitiden im Bereich von Kieferhöhlen, Siebbeinzellen und Keilbeinhöhle entwickeln. Schließlich ist als weitere mögliche Komplikation die Mittelohrentzündung zu nennen.
        Ebenfalls von der viralen Infektion früh betroffen ist der Rachen. Die Entzündung der Rachenschleimhaut (Pharyngitis) kann diffus oder auf Seitenstränge oder Nasenrachen beschränkt auftreten und geht meist mit den Symptomen Kratzen im Hals, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden einher. Auch hier kann sich durch Sekundärinfektion eitriger, oft zäher Schleim absondern.
        Schließlich werden bei Fortschreiten der Infektion auch die unteren Luftwege, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und Lunge befallen. Die entzündliche Schwellung der Stimmbänder führt zur Heiserkeit. Zeichen der akuten Schleimhautentzündung in Luftröhre und größeren Bronchien (Tracheobronchitis) sind Abgeschlagenheit, subfebrile Temperatur, Substernalschmerz und primär trockener Reizhusten, der später von Auswurf begleitet wird.
        Abzugrenzen ist die Erkältung von der echten Virusgrippe oder Influenza. Diese Infektionskrankheit tritt meist epidemisch, in größeren Zeitabständen (25 bis 30 Jahre) auch pandemisch auf. Sie wird durch Orthomyxoviren hervorgerufen. Die Orthomyxoviren treten ubiquitär auf und werden in die Typen A, B und C eingeteilt. Während der Typ A zu seuchenhafter Ausbreitung führt, ist Typ B Ursache meist sporadischer Erkrankungen. Gelegentlich können  Orthomyxo- viren vom Typ B auch Epidemien hervorrufen. Typ C ist epidemiologisch unbedeutend. Das Orthomyxovirus vom Typ A ist durch Subtypen und Epedemie-eigene Stämme charakterisiert. Obgleich das Grippevirus bereits 1933 beim Menschen erstmals isoliert wurde, steht bisher kein Heilmittel für diese Erkrankung zur Verfügung. Lediglich durch Impfung kann ein temporärer Infektionsschutz erzielt werden.
        Die Virusgrippe tritt in den gemäßigten Zonen bevorzugt in den Wintermonaten auf. Wenige Stunden bis Tage nach Tröpfcheninfektion treten Frösteln oder Schüttelfrost, Fieber (bis 40°C), schweres Krankheitsgefühl, Augen-, Kopf-, Gliedmaßen- u. Brustschmerzen -vor allem hinter dem Brustbein - auf (evtl. auch Konjunktivitis, Herpes labialis u. scharlachartiges   Exanthem oder bläschenförmiges Enanthem) sowie Entzündung der Atemwege, insbesondere Pharyngitis und Laryngotracheobronchitis (mit hartnäckigem trockenem Husten), begleitet von Pulsverlangsamung  und - später - Blutdruckminderung. Ab dem 2. Tag kommt es auch zur Leukopenie. Anders als beim grippalen Infekt ist eine Schutzimpfung möglich. Die Immunisierung erfolgt mit mono-, bi- oder polyvalentem Adsorbatimpfstoff aus inaktivierten Grippeviren oder mit "Subunit"-Impfstoff, der nur noch Hämagglutinin und Neuraminidase verschiedener Varianten bzw. Subtypen des Grippevirus enthält.
        Die sehr aufwendige Herstellung des Grippeimpfstoffes muß lange im voraus geplant werden. Zur Herstellung von 100 Liter Impfstoff, entsprechend 200.000 Impfdosen werden mindestens 350.000 befruchtete Hühnereier benötigt. Die für den Impfstoff verwendeten Varianten bzw. Subtypen werden jedes Jahr neu festgelegt. Ihre Informationen bezieht sie dabei von Refernzlaboratorien in fast allen Ländern der Erde, die ihre Beobachtungen an die WHO weitermelden. Die Referenzlaboratorien für Deutschland befinden sich am Robert Koch-Institut und am Niedersächsischen Landesgesundheitsamt. Sie bestehen aus jeweils zwei lnfluenza-A-Stämmen und einem Influenza-B-Stamm. So hat die WHO für die Saison 1999/2000 eine Dreierkombination für die Herstellung des Grippeimpfstoffes empfohlen:
Sie besteht aus:

einem Influenza A/Sydney/5/97 (H3N2)-ähnlichen Stamm
einem Influenza A/Beijing/262/95 (HINI)ähnlichen Stamm und
einem Influenza B/Beijing/184/93-ähnlichen Stamm.

        Die epidemiologische Überwachung der Virusgrippe in Deutschland durch die nationalen Referenzzentren sowie durch die Arbeitsgemeinschaft Influenza hat gezeigt, daß es im Winter 1997/98 zu einer deutlichen Zunahme von Influenza-Erkrankungen gekommen ist. Die Auswirkungen der Grippewelle waren im Vergleich zu früheren Epedemien zwar geringer, aber immer noch sehr deutlich spürbar. So ist es während der sechswöchigen eigentlichen Influenzawelle zu einem Mehr von schätzungsweise 4 Millionen akuten respiratorischen Erkrankungen, rund 2 Millionen Fällen von Arbeitsunfähigkeit sowie von etwa 5000 Krankenhauseinweisungen im Vergleich zu epedemiefreien Jahren gekommen. Wenn im Winter 1998/99 auch keine Erhöhung der Gesamtsterblichketi registriert werden konnte, so waren doch auch wieder einzelne influenzabedingte Sterbefälle zu beklagen (Informationen des Robert-Koch-Instituts).
        Eine Impfung wird vom Robert-Koch-Institut für besonders gefährdete Menschen mit folgenden Grundleiden dringend empfohlen:


Herzkrankheiten mit Neigung zur Insuffizienz

chronische Lungenkrankheiten wie Asthma, chronische Bronchitis und Zerstörung von Lungenbläschen (Emphysem)

chronische Nierenleiden, Diabetes mellitus und andere Stoffwechselkrankheiten

chronische Anämien

angeborene und erworbene Immundefekte, Immunsuppression bei Organtransplantationen, bestimmte Tumorleiden.

        Empfohlen wird eine Grippeschutzimpfung ferner für alle Personen über 60 jahre und für alle, die im Beruf einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt sind oder diese Infektion auf andere übertragen können wie medizinisches Personal, Feuerwehr, Polizei und Personen, die in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr beschäftigt sind.
        Bei komplikationslosem Verlauf beträgt die Dauer der Erkrankung etwa 7 Tage, die Rekonvaleszenz kann aber bis zu 4 Wochen dauern. Bei der Virusgrippe besteht eine starke Neigung zu bakteriellen Superinfektionen.
        Die Symptome von grippalem Infekt und Virusgrippe sind in der Tabelle vergleichend
dargestellt:

Erkältung (z.b. Rhinoviren)

Grippe (Influenzaviren)

Hauptsymptome

% Pat.

Schweregrad

% Pat.

Schweregrad

Schnupfen

80-100

schwer

20-30

mild

Kopfschmerzen

25

mild

85

schwer

Halsschmerzen

50

mild/mäßig

50-60

mäßig/schwer

Abgeschlagenheit
Unwohlsein

20-25

mild/mäßig

80

schwer

Husten

40

mild/mäßig

90

schwer

Frösteln

10

mild

90

schwer

Fieber > 37°C

0-1

-

95

-

Muskelschmerzen

10

mild

60-75

mäßig/schwer

Symptome bei Erkältung und Virusgrippe im Vergleich (nach D. Loew: Apothekerjournal 2/1994, S. 24)

Prävention von Erkältungskrankheiten

      
Letzten Endes ist die virus-induzierte Erkältung die Folge einer Schwächung des Immunsystems durch Faktoren wie u.a. Rauchen (immunsupprimierende Wirkung von Nikotin, Tabakbestandteile, Alkohole, Amine, Nitrosamine, Stickstoffoxide und Kohlenmonoxid), übermäßiger (chronischer) Alkoholkonsum (Beeinträchtigung der spezifischen zellulären Abwehr, unzureichende und unphysiologische Ernährung, Umweltgifte (Ozon, Schwefeldioxid, Schwebestäube [Diesel, Ruß], Innenraumschadstoffe), Schlafdefizite, psychischer und physischer Streß sowie angeborene und/oder erworbene Immundefekte.
        Auch bestehende Krankheiten können zu temporären Immundefiziten führen. So beobachtet man bei der Neurodermitis atopica (atopisches Ekzem) signifikant häufiger bakterielle, Pilz- und virale Infektionen. Beim Diabetes mellitus ist die  Phagozytosek kapazität vermindert und das Verhältnis von T4- und T8-Lymphozyten gestört. Bei Depressionen besteht zwar keine strenge Korrelation zwischen dem Ausmaß der Depression und dem Immundefizit, jedoch weisen depressive Patienten eine verminderte Zahl von T-Lymphozyten und NK-Zellen sowie eine von der Dauer der letzten depressiven Phase abhängige verminderte Reaktivität der Lymphozyten auf. Beim erworbenen, durch ein für den Menschen pathogenes Retrovirus ausgelöstes Immundefektsyndrom (AIDS) treten u.a. lebensbedrohende opportunistische Infektionen auf.
        Als weitere Ursache für temporäre Immundefizite ist die medikamentöse Therapie zu erwähnen. So konnten immunsuppressive Begleiteffekte für verschiedene Antibiotika, Schmerz- und Grippemitteln, Antirheumatika und Kortikosteroide nachgewiesen werden.
        Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem nimmt die Infektanfälligkeit zu und äußert sich in immer häufigeren Infekten der Atemwege.
        Prävention von Erkältungskrankheiten eignen sich alle Maßnahmen die eine Schwächung des Immunsystems verhindern, bzw. Immundefekte beseitigen. Dazu gehören der Abbau von Streß, die Vermeidung von Genuß- und Umweltgiften, eine ausreic
hende körperliche Aktivität, allgemeine "Abhärtungsmaßnahmen" und eine ausgewogene vitaminreiche Ernährung mit aureichend Gemüse, Salaten und frischem Obst.
        Zur Abhärtung eignen sich Wasseranwendungen als Bestandteil der Kneipptherapie  (Hydrotherapie), regelmäßige Saunabesuche und eine ausreichende körperliche Betätigung (Wandern, Radfahren, Gymnastik, Schwimmen, Tennis, Golf und andere Sportarten). Vermieden werden sollte eine körperliche Überbeanspruchung. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, daß bei Leistungssportlern während des Trainings zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele eine Suppression des Immunsystems mit erhöhter Infektanfälligkeit auftrat.
        Schließlich können Widerstandskräfte auch durch "adaptogene Drogen" wie Ginseng, Taigawurzel, Mariendistel und Ginkgo gestärkt werden.

Die Behandlung der Erkältung mit Phytopharmaka 

        Während der banale grippale Infekt vom Patienten selbst behandelt werden kann, ist die echte Virusgrippe eine ernstzunehmende Erkrankung, deren Therapie unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte. Nur er kann entscheiden, ob eine symptomatische Behandlung mit Grippemitteln und Bettruhe ausreicht, oder ob z.B. Virustatika und bei bakterieller Superinfektion Antibiotika eingesetzt werden müssen.
        In erster Linie gilt es bei der banalen Erkältung, die durch die seröse Entzündung der Schleimhäute mit der Entwicklung von reichlich Schleim und Ausscheidung von abgestoßenen Epithelzellen, Spasmen der Bronchialmuskulatur, Sekretstau, Husten und Schnupfen charakterisiert ist, symptomatisch zu behandeln. Im Vordergrund stehen dabei broncholytische, sekretolytische und hustendämpfende Maßnahmen sowie die Aktivierung der körpereigenen Abwehrmechanismen.
        Für die symptomatische Behandlung der banalen Infektionen, die das Wohlbefinden des Patienten erheblich belasten, steht ein weites Spektrum von Phytopharmaka zur Verfügung. Insbesondere die Ätherischöl-Drogen besitzen neben ihrem symptomatischen Effekt häufig auch antibakterielle und antivirale Eigenschaften. Die antimikrobielle Wirkung ätherischer Öle ist durch in vitro Untersuchungen nachgewiesen und durch eine Reihe von Anwendungsbeobachtungen beim Patienten belegt. Die pflanzlichen Arzneimittel sind in ihrer überwiegenden Mehrzahl nebenwirkungsfrei und können daher  zur Selbstmedikation empfohlen werden.

Hustenstillende und expektorierende Drogen

        Der über sensible Rezeptoren reflektorisch ausgelöste Hustenanfall spricht sowohl auf mechanische als auch auf chemische Reize an. Während die Membranorezeptoren vor allem in den proximalen Abschnitten des Trachealbaumes lokalisiert sind, finden sich die Chemorezeptoren vorwiegend im Bereich der kleinen Bronchien. Wird das Ziel des Hustenanfalls, die Expektoration, nicht erreicht, besteht eine Indikation für hustenreizdämpfende und sekretolytische Maßnahmen.
        Zahlreiche Antitussiva enthalten Codein. Wegen seiner Nebenwirkungen (Atemdepression, Abhängigkeits- und Mißbrauchspotential) sollten Codeinpräparate nur kurzzeitig eingenommen werden. Die wirksamste Hustentherapie ist die Beseitigung der Sekretstauung durch Verflüssigung des zähen, schwer abhustbaren Schleimes. Damit wird gleichzeitig der Entstehung von Superinfektionen und Bronchospamen vorgebeugt. Die Verflüssigung des Schleimes erfordert die Zufuhr ausreichend großer Flüssigkeitsmengen, sinnvollerweise in Form von Bronchialtees. Außerdem sollte die Atemluft durch Inhalation
von Kamillenaufgüssen angefeuchtet werden.
        Die Wirkung der Expektorantien beruht teilweise auf einer durch Irritation der Magenschleimhaut ausgelösten Steigerung der Bronchialdrüsensekretion. Hinzu kommt bei genügend tiefer Inhalation eine direkte Wirkung auf die Drüsen, die die Sputummenge steigert und die Viskosität erniedrigt. Ein weiterer Effekt der Sekretolytika ist die Spaltung von Disulfidbrücken der Proteine im Bronchialschleim, die ebenfalls zu einer Viskositätserniedrigung führt.
        Zu den auswurffördernden Mitteln gehören in erster Linie die Saponindrogen. Weiter finden Alkaloid- und Ätherischöl-Drogen Verwendung, letztere vor allem in Form von Inhalationsmitteln, Balsamen, Emulsionen, Badeölen und perkutanen Expektorantien.
        Oberflächenaktive Saponindrogen: Saponine sind Glykoside, deren lipophiler Aglykonanteil aus einem C27-Steroid oder einem C30-Triterpen besteht. Angereichert stellen die Saponine weiße, stark zum Niesen reizende Pulver dar. Sie haben starke oberflächenaktive Eigenschaften und verursachen beim Eindringen in die Blutbahn eine Hämolyse. Die Saponine der expektorierenden Drogen sind nach oraler Aufnahme allerdings nicht toxisch, da sie im Magen-Darm-Trakt in das Aglykon und die Zuckerkomponente gespalten werden und dabei ihre hämolysierende Wirkung verlieren. Saponine setzen aufgrund ihres Aufbaus aus einem hydrophilen und einem hydrophoben Anteil die Grenzflächenspannung zwischen Schleimhautoberfläche und eingedicktem Sekret herab, insbesondere im Bereich des hinteren Rachenraumes. Zusätzlich beeinflussen die Saponine die Permeabilität der Schleimhaut für Ionen und Wasser und verstärken so die Flüssigkeitsabsonderung aus den Drüsen des Tracheal- und des Bronchialtraktes. Schließlich können Saponine auch reflektorisch über die Magenschleimhautreizung eine Erhöhung der Bronchialsekretion hervorrufen. Die Verflüssigung des Schleimes hat zusätzlich eine Verstärkung der Flimmerbewegung der Zilien zur Folge. Schließlich besitzen Saponine eine antibakterielle Wirkung und wirken auf diese Weise bakteriellen Sekundärinfektionen entgegen.
        Als Nebenwirkungen bei oraler Applikation von Saponinen in höheren Dosen können Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe auftreten.

Saponindrogen
zur Darstellung von Inhaltstoffen und Pflanzenabbildungen 
ist "Powerpoint" erforderlich

Droge lat. Bez. der Droge Arzneipflanze
Bibernellwurzel Pimpinellae radix Pimpinella saxifraga
Efeublätter Hedera helicis folium Hedera helix
Senegawurzel Polygalae radix Polygala senega
Lungenkraut Pulmonariae herba Pulmonaria officinalis
Primelwurzelstock
(Schlüsselblumenwurzelstock)
Primulae radix Primula veris
Primula elatiator
Süßholzwurzel Liquiritiae radix Glycyrrhiza glabra
Wollblumen Verbasci flos Verbascum densiflorum
Verbascum phlomoides

          Schleimdrogen (Mucilaginosa): Schleimhaltige Drogen beruhigen die entzündlich gereizte Schleimhaut und dämpfen den Hustenreiz. Die Schleimfraktion der Mucilaginosa bestehen aus Mischungen von neutralen Glykanen und sauren Polyuroniden vom Galakturonorhamnantyp. Die Schleime werden im Gastrointestinaltrakt nicht gepalten und daher nicht resorbiert.

Schleimdrogen (Inhaltsstoffe und Abbildungen)

Droge lat. Bez. der Droge Arzneipflanze
Eibischwurzel Althaeae radix Althaea officinalis
Huflattichblätter Farfarae folium Tussilago farfara
Isländisches Moos Lichenislandicus Cetraria islandica
Malvenblüten/Malvenblätter Malvae flos/Malvae folium Malva silvestris M. silvestris spp. Mauritiana
Spitzwegerichkraut Plantaginis lanceolatae herba Plantago lanceolatae
Taubnesselblüten, weiße Lamii albi flos Lamium album

        Ätherisch-Öl-Drogen: Ätherisch-Öl-Drogen enthalten flüssige, leicht flüchtige, charakteristisch riechende und aromatisch, scharf oder bitter schmeckende Öle, die vor allem in Blättern, Blüten, Früchten, Wurzeln, Rhizomen und Hölzern gebildet werden. Der Ölgehalt typischer Ätherisch-Öl-Drogen beträgt in der Regel 1-2%, in einigen Fällen bis zu 20%. Das ätherische Öl besteht überwiegend (ca. 90%) aus Terpenverbindungen (Mono-, Di- und Sesquiterpene). Die restlichen 10% setzen sich aus Phenylpropanverbindungen, einfachen Phenolen und Phenoläthern, Phenylcarbonsäuren, unverzweigten Kohlenwasserstoffen und Kohlenwasserstoffderivaten, kurzkettigen Carbonsäuren, schwefelhaltigen Verbindungen (Senfölen) und Stickstoff-haltigen Verbindungen zusammen. Sie besitzen entzündungshemmende, spasmolytische und antimikrobielle Wirkungen. Zu den als Komponenten von Bronchialtees häufig verwendeten Ätherisch-Öl-Drogen gehören das Kraut des Thymian (Thymian vulgaris) die Früchte des Fenchels (Pimpinella anisum) und die Blätter des Eukalyptus (Eukalyptus globulus LABILL.).

 

Atherisch-Öl-Drogen

Droge lat. Bez. der Droge Arzneipflanze
Anisfrüchte Anisi fructus Pimpinella anisum
Sternanisfrüchte Anisi stellati fructus Illicum verum
Eukalyptusöl Eucalypti aetheroleum Eucalyptus globulus
Fenchelfrüchte Foeniculi fructus Foeniculum vulgare
Fenchelöl Foeniculi aetheroleum Foeniculum vulgare
Fichtennadelöl Piceae aetheroleum Picea abies, Abies alba, A. sachalinensis, A. sibirica
Fichtenspitzen, frische Piceae turiones recentes Picea abies, Abies alba
Kiefernnadelöl Pini aetheroleum Pinus sylvestris, Pinus mugo ssp. pumilio, Pinus nigra, Pinus pinaster
Kiefernsprossen Pini turiones Pinus sylvestris
Minzöl Menthae arvensis aetheroleum Mentha arvensis
Pfefferminzöl Menthae piperitae aetheroleum Mentha piperita
Thymiankraut Thymi herba Thymus vulgaris


Drogen zur Behandlung von Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum

       Zur Behandlung von Entzündungen der Schleimhäute im Bereich der Atemwege finden bevorzugt Gerbstoffdrogen und Ätherisch-Öl-Drogen Verwendung.
Gerbstoffdrogen: Gerbstoffe werden eingeteilt in die hydrolysierbaren Gerbstoffe (Gallotannine und Ellagtannine) und kondensierten Gerbstoffe (Catechinpolymere). Sowohl die hydrolysierbaren als auch die polymeren Gerbstoffe besitzen mehrere phenolische Hydroxylgruppen, Carbonyl- und Carboxylgruppen, die mit den Peptidbindungen und Aminogruppen der Kollagenfasern der Schleimhäute über ionische und Wasserstoffbrückenbindungen in Wechselwirkung treten können (reversibler adstringierender Effekt).

Gerbstoffdrogen

Droge lat.Bez. der Droge Arzneipflanze
Brombeerblätter Rubi fructiosi folium Rubus fructiosus
Eichenrinde Quercus radix Quercus robur, Q. petraea
Gänsefingerkraut Potentillae anserinae herba Potentilla anserina
Gewürznelken Caryophylli flos Syzygium aromaticum
Heidelbeeren Myrtilli fructus Vaccinium myrtillus
Myrrhe Myrrha Commiphora molmol
Ratanhiawurzel Ratanhiae radix Krameria triandra
Rosenblüten Rosae flos Rosa galiica, R. centifolia
Salbeiblätter Salivae trilobae folium Salvia triloba
Schlehdornfrüchte Pruni spinosae fructus Prunus spinosa
Syzygiumrinde Szygii cumini cortex Syzygium cumini
Taubnesselblüten Lamii albi flos Lamium album
Tormentillwurzelst. Tormentillae rhizoma Potentilla erecta

 
Immunstimulierende Phytopharmaka 
als Begleitmedikation bei Erkältungskrankheiten

Abbildungen immunstimulierender Arzneipflanzen

        Die bisher zur Prophylaxe und Therapie leichterer Infekte am häufigsten eingesetzten Präparate enthalten die oberirdischen Teile von Echinacea purpurea sowie Wurzeln von Echinacea pallida. Kombinationspräparate enthalten neben Echinacea Zubereitungen aus den Blättern des Lebensbaumes (Thuja occidentalis), Blättern und Wurzeln des wilden Indigos (Baptisa tinctoria), die Blüten der Ringelblumen (Calendula officinalis) und die Wurzeln der Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus).

H.D.Reuter