| Erkrankungen der Atemwege Der grippale Infekt
Als Erkältung im weiteren Sinne oder grippale Infekte werden die akut auftretenden,
infektiösen, katarrhalischen Erkrankungen der oberen Luftwege verstanden, die in 95% der
Fälle durch Viren hervorgerufen werden. Der Befall der Schleimhäute von Nase,
Nasennebenhöhlen und oberem Respirationstrakt erfolgt vorwiegend durch die zu den
Picornaviren gehörenden Rhinoviren, wobei in der Mehrzahl der Fälle 30 der insgesamt
über 100 Serotypen für die Infektionen verantwortlich sind. Außer den Rinoviren werden
die Atemwegserkrankungen gelegentlich auch durch Corona-, Adeno-, Myxo- und Reoviren
hervorgerufen.
Auf anfängliche Symptome des Erkältungsschnupfens wie Niesreiz und trockener
Nasenschleimhaut folgen innerhalb weniger Stunden als Ausdruck der Entzündungsreaktion
die Absonderung eines zunächst wäßrigen (serösen), später schleimigen Sekrets aus der
Nase (katarrhalische Rhinitis) mit dem Gefühl der verstopften Nase. Bei bakterieller
Sekundärinfektion wird das Sekret visköser und nimmt eine gelbliche Farbe an (Eiter,
bestehend aus zahlreichen polymorphkernigen Leukozyten, nekrotischen Gewebszellen und
wenig Serum).
Die epidemiologische Überwachung der Virusgrippe in Deutschland durch die
nationalen Referenzzentren sowie durch die Arbeitsgemeinschaft Influenza hat gezeigt, daß
es im Winter 1997/98 zu einer deutlichen Zunahme von Influenza-Erkrankungen gekommen ist.
Die Auswirkungen der Grippewelle waren im Vergleich zu früheren Epedemien zwar geringer,
aber immer noch sehr deutlich spürbar. So ist es während der sechswöchigen eigentlichen
Influenzawelle zu einem Mehr von schätzungsweise 4 Millionen akuten respiratorischen
Erkrankungen, rund 2 Millionen Fällen von Arbeitsunfähigkeit sowie von etwa 5000
Krankenhauseinweisungen im Vergleich zu epedemiefreien Jahren gekommen. Wenn im Winter
1998/99 auch keine Erhöhung der Gesamtsterblichketi registriert werden konnte, so waren
doch auch wieder einzelne influenzabedingte Sterbefälle zu beklagen (Informationen des
Robert-Koch-Instituts).
Empfohlen wird eine Grippeschutzimpfung ferner für alle Personen über 60 jahre und für
alle, die im Beruf einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt sind oder diese Infektion
auf andere übertragen können wie medizinisches Personal, Feuerwehr, Polizei und
Personen, die in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr beschäftigt sind.
Symptome bei Erkältung und Virusgrippe im Vergleich (nach D. Loew: Apothekerjournal 2/1994, S. 24) Prävention von ErkältungskrankheitenLetzten Endes ist die virus-induzierte Erkältung die Folge einer Schwächung des Immunsystems durch Faktoren wie u.a. Rauchen (immunsupprimierende Wirkung von Nikotin, Tabakbestandteile, Alkohole, Amine, Nitrosamine, Stickstoffoxide und Kohlenmonoxid), übermäßiger (chronischer) Alkoholkonsum (Beeinträchtigung der spezifischen zellulären Abwehr, unzureichende und unphysiologische Ernährung, Umweltgifte (Ozon, Schwefeldioxid, Schwebestäube [Diesel, Ruß], Innenraumschadstoffe), Schlafdefizite, psychischer und physischer Streß sowie angeborene und/oder erworbene Immundefekte. Auch bestehende Krankheiten können zu temporären Immundefiziten führen. So beobachtet man bei der Neurodermitis atopica (atopisches Ekzem) signifikant häufiger bakterielle, Pilz- und virale Infektionen. Beim Diabetes mellitus ist die Phagozytosek kapazität vermindert und das Verhältnis von T4- und T8-Lymphozyten gestört. Bei Depressionen besteht zwar keine strenge Korrelation zwischen dem Ausmaß der Depression und dem Immundefizit, jedoch weisen depressive Patienten eine verminderte Zahl von T-Lymphozyten und NK-Zellen sowie eine von der Dauer der letzten depressiven Phase abhängige verminderte Reaktivität der Lymphozyten auf. Beim erworbenen, durch ein für den Menschen pathogenes Retrovirus ausgelöstes Immundefektsyndrom (AIDS) treten u.a. lebensbedrohende opportunistische Infektionen auf. Als weitere Ursache für temporäre Immundefizite ist die medikamentöse Therapie zu erwähnen. So konnten immunsuppressive Begleiteffekte für verschiedene Antibiotika, Schmerz- und Grippemitteln, Antirheumatika und Kortikosteroide nachgewiesen werden. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem nimmt die Infektanfälligkeit zu und äußert sich in immer häufigeren Infekten der Atemwege. Prävention von Erkältungskrankheiten eignen sich alle Maßnahmen die eine Schwächung des Immunsystems verhindern, bzw. Immundefekte beseitigen. Dazu gehören der Abbau von Streß, die Vermeidung von Genuß- und Umweltgiften, eine ausreichende körperliche Aktivität, allgemeine "Abhärtungsmaßnahmen" und eine ausgewogene vitaminreiche Ernährung mit aureichend Gemüse, Salaten und frischem Obst. Zur Abhärtung eignen sich Wasseranwendungen als Bestandteil der Kneipptherapie (Hydrotherapie), regelmäßige Saunabesuche und eine ausreichende körperliche Betätigung (Wandern, Radfahren, Gymnastik, Schwimmen, Tennis, Golf und andere Sportarten). Vermieden werden sollte eine körperliche Überbeanspruchung. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, daß bei Leistungssportlern während des Trainings zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele eine Suppression des Immunsystems mit erhöhter Infektanfälligkeit auftrat. Schließlich können Widerstandskräfte auch durch "adaptogene Drogen" wie Ginseng, Taigawurzel, Mariendistel und Ginkgo gestärkt werden. Die Behandlung der Erkältung mit Phytopharmaka Während der banale grippale Infekt vom Patienten selbst behandelt werden kann, ist die echte Virusgrippe eine ernstzunehmende Erkrankung, deren Therapie unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte. Nur er kann entscheiden, ob eine symptomatische Behandlung mit Grippemitteln und Bettruhe ausreicht, oder ob z.B. Virustatika und bei bakterieller Superinfektion Antibiotika eingesetzt werden müssen. In erster Linie gilt es bei der banalen Erkältung, die durch die seröse Entzündung der Schleimhäute mit der Entwicklung von reichlich Schleim und Ausscheidung von abgestoßenen Epithelzellen, Spasmen der Bronchialmuskulatur, Sekretstau, Husten und Schnupfen charakterisiert ist, symptomatisch zu behandeln. Im Vordergrund stehen dabei broncholytische, sekretolytische und hustendämpfende Maßnahmen sowie die Aktivierung der körpereigenen Abwehrmechanismen. Für die symptomatische Behandlung der banalen Infektionen, die das Wohlbefinden des Patienten erheblich belasten, steht ein weites Spektrum von Phytopharmaka zur Verfügung. Insbesondere die Ätherischöl-Drogen besitzen neben ihrem symptomatischen Effekt häufig auch antibakterielle und antivirale Eigenschaften. Die antimikrobielle Wirkung ätherischer Öle ist durch in vitro Untersuchungen nachgewiesen und durch eine Reihe von Anwendungsbeobachtungen beim Patienten belegt. Die pflanzlichen Arzneimittel sind in ihrer überwiegenden Mehrzahl nebenwirkungsfrei und können daher zur Selbstmedikation empfohlen werden. Hustenstillende und expektorierende Drogen Der über sensible Rezeptoren reflektorisch ausgelöste Hustenanfall spricht sowohl auf mechanische als auch auf chemische Reize an. Während die Membranorezeptoren vor allem in den proximalen Abschnitten des Trachealbaumes lokalisiert sind, finden sich die Chemorezeptoren vorwiegend im Bereich der kleinen Bronchien. Wird das Ziel des Hustenanfalls, die Expektoration, nicht erreicht, besteht eine Indikation für hustenreizdämpfende und sekretolytische Maßnahmen. Zahlreiche Antitussiva enthalten Codein. Wegen seiner Nebenwirkungen (Atemdepression, Abhängigkeits- und Mißbrauchspotential) sollten Codeinpräparate nur kurzzeitig eingenommen werden. Die wirksamste Hustentherapie ist die Beseitigung der Sekretstauung durch Verflüssigung des zähen, schwer abhustbaren Schleimes. Damit wird gleichzeitig der Entstehung von Superinfektionen und Bronchospamen vorgebeugt. Die Verflüssigung des Schleimes erfordert die Zufuhr ausreichend großer Flüssigkeitsmengen, sinnvollerweise in Form von Bronchialtees. Außerdem sollte die Atemluft durch Inhalation von Kamillenaufgüssen angefeuchtet werden. Die Wirkung der Expektorantien beruht teilweise auf einer durch Irritation der Magenschleimhaut ausgelösten Steigerung der Bronchialdrüsensekretion. Hinzu kommt bei genügend tiefer Inhalation eine direkte Wirkung auf die Drüsen, die die Sputummenge steigert und die Viskosität erniedrigt. Ein weiterer Effekt der Sekretolytika ist die Spaltung von Disulfidbrücken der Proteine im Bronchialschleim, die ebenfalls zu einer Viskositätserniedrigung führt. Zu den auswurffördernden Mitteln gehören in erster Linie die Saponindrogen. Weiter finden Alkaloid- und Ätherischöl-Drogen Verwendung, letztere vor allem in Form von Inhalationsmitteln, Balsamen, Emulsionen, Badeölen und perkutanen Expektorantien. Oberflächenaktive Saponindrogen: Saponine sind Glykoside, deren lipophiler Aglykonanteil aus einem C27-Steroid oder einem C30-Triterpen besteht. Angereichert stellen die Saponine weiße, stark zum Niesen reizende Pulver dar. Sie haben starke oberflächenaktive Eigenschaften und verursachen beim Eindringen in die Blutbahn eine Hämolyse. Die Saponine der expektorierenden Drogen sind nach oraler Aufnahme allerdings nicht toxisch, da sie im Magen-Darm-Trakt in das Aglykon und die Zuckerkomponente gespalten werden und dabei ihre hämolysierende Wirkung verlieren. Saponine setzen aufgrund ihres Aufbaus aus einem hydrophilen und einem hydrophoben Anteil die Grenzflächenspannung zwischen Schleimhautoberfläche und eingedicktem Sekret herab, insbesondere im Bereich des hinteren Rachenraumes. Zusätzlich beeinflussen die Saponine die Permeabilität der Schleimhaut für Ionen und Wasser und verstärken so die Flüssigkeitsabsonderung aus den Drüsen des Tracheal- und des Bronchialtraktes. Schließlich können Saponine auch reflektorisch über die Magenschleimhautreizung eine Erhöhung der Bronchialsekretion hervorrufen. Die Verflüssigung des Schleimes hat zusätzlich eine Verstärkung der Flimmerbewegung der Zilien zur Folge. Schließlich besitzen Saponine eine antibakterielle Wirkung und wirken auf diese Weise bakteriellen Sekundärinfektionen entgegen. Als Nebenwirkungen bei oraler Applikation von Saponinen in höheren Dosen können Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe auftreten. Saponindrogen
Schleimdrogen (Mucilaginosa): Schleimhaltige Drogen beruhigen die entzündlich gereizte Schleimhaut und dämpfen den Hustenreiz. Die Schleimfraktion der Mucilaginosa bestehen aus Mischungen von neutralen Glykanen und sauren Polyuroniden vom Galakturonorhamnantyp. Die Schleime werden im Gastrointestinaltrakt nicht gepalten und daher nicht resorbiert. Schleimdrogen (Inhaltsstoffe und Abbildungen)
Ätherisch-Öl-Drogen: Ätherisch-Öl-Drogen enthalten flüssige, leicht flüchtige, charakteristisch riechende und aromatisch, scharf oder bitter schmeckende Öle, die vor allem in Blättern, Blüten, Früchten, Wurzeln, Rhizomen und Hölzern gebildet werden. Der Ölgehalt typischer Ätherisch-Öl-Drogen beträgt in der Regel 1-2%, in einigen Fällen bis zu 20%. Das ätherische Öl besteht überwiegend (ca. 90%) aus Terpenverbindungen (Mono-, Di- und Sesquiterpene). Die restlichen 10% setzen sich aus Phenylpropanverbindungen, einfachen Phenolen und Phenoläthern, Phenylcarbonsäuren, unverzweigten Kohlenwasserstoffen und Kohlenwasserstoffderivaten, kurzkettigen Carbonsäuren, schwefelhaltigen Verbindungen (Senfölen) und Stickstoff-haltigen Verbindungen zusammen. Sie besitzen entzündungshemmende, spasmolytische und antimikrobielle Wirkungen. Zu den als Komponenten von Bronchialtees häufig verwendeten Ätherisch-Öl-Drogen gehören das Kraut des Thymian (Thymian vulgaris) die Früchte des Fenchels (Pimpinella anisum) und die Blätter des Eukalyptus (Eukalyptus globulus LABILL.).
Drogen zur Behandlung von Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum Zur Behandlung von Entzündungen der Schleimhäute im Bereich der Atemwege finden bevorzugt Gerbstoffdrogen und Ätherisch-Öl-Drogen Verwendung. Gerbstoffdrogen: Gerbstoffe werden eingeteilt in die hydrolysierbaren Gerbstoffe (Gallotannine und Ellagtannine) und kondensierten Gerbstoffe (Catechinpolymere). Sowohl die hydrolysierbaren als auch die polymeren Gerbstoffe besitzen mehrere phenolische Hydroxylgruppen, Carbonyl- und Carboxylgruppen, die mit den Peptidbindungen und Aminogruppen der Kollagenfasern der Schleimhäute über ionische und Wasserstoffbrückenbindungen in Wechselwirkung treten können (reversibler adstringierender Effekt).
Abbildungen
immunstimulierender Arzneipflanzen H.D.Reuter |
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