Arzneipflanze des Jahres 2010

Efeu - Hedera helix

 

Die Arzneipflanze des Jahres wird seit 1999 vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde ausgewählt.

                  


                  

Efeu, Gemeiner Efeu, Hedera helix: immergrüner kletternder oder kriechender Strauch aus der Familie der Araliengewächse (Araliaceae).  Die derben, auf der Oberseite glänzend grünen Blätter sind 3- bis 5eckig, gelappt, an den blühenden Trieben eiförmig und mattgrün.  Die unscheinbaren grünlichgelben Blüten sind in halbkugeligen Dolden vereint.  Die Frucht ist eine schwarze Beere.

Blütezeit:  August bis Oktober.

Vorkommen:  der E. ist in den gemäßigten Klimazonen Europas heimisch.  Er wird teilweise auch als Ziergewächs angepflanzt.  Die Pflanze bevorzugt Laubmischwälder, Felsen und Mauern, an denen sie mit Haftwurzeln emporwächst.

Drogengewinnung:  die Blätter und Triebspitzen des E. werden ganzjährig gesammelt und mit künstlicher Wärme bis 50°C getrocknet.

Drogenbeschreibung:  die Droge (E.kraut, E.blätter, Hederae herba, Hederae folium) besteht aus den getrockneten Blättern und Sproßteilen.  Die lederigen Blätter sind auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite hellgrün.  Die Sproßteile sind grün oder grünlichbraun und längsrinnig.  Die Droge besitzt einen schwach wahrnehmbaren Geruch und einen schwach kratzenden und bitteren Geschmack.

Inhaltsstoffe:  die Droge enthält etwa 5% eines Saponingemisches, das zum größten Teil aus Hederacosiden besteht.

Wirkung und Verwendung:  die Extrakte der Droge (Fertigpräparate) wirken aufgrund des Saponingehaltes schleimlösend sowie krampflösend auf die Bronchialmuskulatur.  Sie werden bei Husten, Keuchhusten und Bronchitis mit krampfartigen Beschwerden verwendet.  Die frischen unverholzten Triebe werden zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel verwendet.  Sie dienen zur Behandlung von Erkältungskrankheiten,

Nebenwirkungen:  bei Anwendung von Arzneimitteln, die E.extrakt enthalten, nicht bekannt.  Die Verwendung eines E.blättertees wird aufgrund möglicher Reizerscheinungen im Magen und Darm nicht empfohlen. Der Verzehr von E.früchten kann zu schweren Vergiftungen führen, die durch Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Atembeschwerden gekennzeichnet sind.

Geschichtliches:  der in Mitteleuropa heimische, aber auch den Römern bekannte E. wurde zuerst von Hildegard von Bingen als Arzneipflanze erwähnt.  In den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts wurde berichtet, daß der E. nur selten innerlich angewendet werde.  Einige zerstoßene Beeren, mit Wasser oder Wein eingenommen, sollten bei Steinleiden helfen, auch wurden die Beeren mitunter als Brech-, Abfuhrund Fiebermittel sowie gegen Wassersucht und Pest verwendet.  Die mit Wein aufgekochten Blätter legte man zur Heilung auf alte Geschwüre und Wunden, frisch zerstoßene Blätter auf Hühneraugen.

aus Ennet und Reuter: Lexikon der Pflanzenheilkunde, Hippokrates-Verlag 1998

Literaturstellen aus Zeitschrift für Phytotherapie:

Therapie der akuten und chronisschen Bronchitis mit Efeublätterextrakt (ZPT 181-2009)
Allergene Wirkung von Efeu (ZPT 217-2003)
Spasmolytische Wirkung von Efeu (ZPT 287-1997)
Wirkmechanismus der Efeuinhaltstoffe (ZPT 340-1996)
Efeu versus Ambroxol bei chronischer Bronchitis (ZPT 24-1994
allergene Wirkung von Efeu (ZPT 133-1990)