Memorandum anlässlich der 5. gemeinsamen Tagung

28.9.-30.9.2006 in Berlin

 

 

 

Auf der 5. gemeinsamen Tagung der Deutschen Gesellschaft für klinische Pharmakologie und Therapie, der Gesellschaft für Phytotherapie, der Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung und des Komitees Forschung Naturmedizin vom 28.9.-30.9.06 in Berlin wurde zur aktuellen Situation pflanzlicher Arzneimittel folgendes Memorandum einstimmig verabschiedet:

 

Durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz 2003 (GMG) hat sich die Situation der Phytotherapie grundlegend gewandelt. Nur noch ausnahmsweise bekommen Patienten pflanzliche Präparate auf Kassenrezept verordnet. Der Schwerpunkt der Anwendung hat sich damit in Richtung Selbstmedikation verschoben. Die Patienten müssen für pflanzliche Arzneimittel selbst aufkommen und eine Arzneimittelwahl treffen, die sie nur schwer vornehmen können.

Damit ist eine verstärkte Beratung erforderlich, die weitgehend vom Arzt auf den Apotheker verlagert wird.

 

Welche Konsequenzen hat dies?

 

Die fehlende Erstattungsfähigkeit hat zu einem Imageverlust der pflanzlichen Präparate geführt. Diese werden fälschlicherweise vom Patienten nunmehr als weniger wirksam, nicht sicher und damit als verzichtbar eingestuft.

Tatsächlich jedoch wurden pflanzliche Arzneimittel aus der Erstattung genommen, weil sie ein geringes Risikopotential  aufweisen. Grundlage dafür ist § 48 AMG.

 

Arzt  und  Apotheker sind deshalb dringend gefordert, den Patienten fachgerecht zu informieren und zu beraten.

Diese Fachleute müssen, um  ihrer Beratungspflicht nachkommen zu können, besser über die neuesten Forschungsergebnisse und den Nutzen und die Risiken pflanzlicher Arzneimittel informiert werden.

 

Durch die Herausnahme der rezeptfreien pflanzlichen Arzneimittel aus der Erstattung fehlt der Anreiz für die kleinen und mittelständischen Unternehmen die Forschung für neue Produkte in dem Umfang wie bisher zu finanzieren.

Damit besteht die Gefahr, dass der Patient verstärkt auf synthetische Arzneimittel mit höheren Nebenwirkungsrisiko bzw. auf pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel ohne entsprechende Qualitätsstandards ausweicht.

 

Das hohe wissenschaftliche Niveau des Kongresses hat wieder gezeigt, wie gut belegt pflanzliche Arzneimittel im Hinblick auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sind.

 

Im Interesse des Patienten fordern wir daher von den politisch Verantwortlichen, den Anteil der erstattungsfähigen pflanzlichen Arzneimittel zu erhöhen und das hohe Ansehen dieser Arzneimittelgruppe in der Bevölkerung wieder herzustellen.